Guido Gozzano (1883-1916) hinterließ ein Werk, das im deutschen Sprachraum bislang unentdeckt geblieben ist. Zunächst orientiert an Gabriele d`Annunzio, zeigt bereits seine erste Veröffentlichung zu Beginn dieses Jahrhunderts einen völlig anderen Ton: Heroisches wird gebrochen, ironisiert, statt Schwülstigkeit begegnet dem Leser eine klare, sichere, sehr viel modernere Sprache. Die 12 "Zaubermärchen", 1909 und 1914 in zwei Teilen veröffentlicht, ähneln dem Grimm`schen Sammlungswerk, dennoch stellen sie in ihrem erzählerischen Kern etwas anderes dar, sind weniger mit hoher Moral belastet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.1999
Im "literarisch gültigsten Bereich der Geschichtslosigkeit", dem Märchen, hat sich der 1916 mit 33 Jahren gestorbene Turiner Autor bewegt, schreibt Ute Stempel, und gesteht seinen zarten Kunstmärchen von allerlei unbehausten Helden "Leichtigkeit", "Raffinement" und große sprachliche Schönheit zu. Was sie ansonsten von ihnen halten soll, schreibt sie nicht, - es sei denn, das an den Anfang gestellte Verdikt des Thomas-Mannschen Schwiegersohns Borgese, dieser Autor sei ein "Benebelter" gewesen, ist als Kritik gedacht.
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