Günter Grass

Eintagsfliegen

Cover: Eintagsfliegen
Steidl Verlag, Göttingen 2012
ISBN 9783869305141
Gebunden, 103 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

"Mit der Veröffentlichung von 'Grimms Wörter' endete ein siebeneinhalb Jahre andauernder Prozess, der aus dreimal wechselnder Sicht mich zum Gegenstand hatte: als Jugendlicher, als Vater und als politisch engagierter Bürger. Kaum war ein Schlussstrich unter meine 'Trilogie der Erinnerung' gesetzt, begann ich mir einen schon seit langem tickenden Wunsch zu erfüllen. Der 1963 publizierte Roman 'Hundejahre' hatte mich bereits während der Zeit des Entstehens zu Zeichnungen provoziert. Das sollte nun umfassend fortgesetzt werden. Ich entschloss mich zu Radierungen, mithin zu einer grafischen Technik, die ich zuletzt Anfang der 90er Jahre in Begleitung zur Manuskriptarbeit der Erzählung 'Unkenrufe' geübt hatte. Ab Sommer 2010 entstanden eine Fülle von Vorzeichnungen, dann auf Kupferplatten in verschiedenem Format die ersten Ätz- und Kaltnadelradierungen. Nach eineinhalb Jahren Rückblick auf ein Buch, das ich als junger Autor geschrieben hatte, lagen eine Fülle von Skizzen und über hundert Motive für die Jubiläumsausgabe des Romans 'Hundejahre' vor, darunter auch Radierungen in Aquatinta. Für mich selbst überraschend hatten sich offenbar bereits während dieser intensiven Arbeitsperiode mit Stichel und Ätzbad in Kupfer zahllose Gedichte angesammelt, die jetzt zu Papier gebracht werden wollten; ich nannte sie 'Eintagsfliegen'."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.10.2012

Der Grafiker Günter Grass (einseitige Liebe) kommt noch schlechter weg als der Lyriker Günter Grass, und der kommt schon ziemlich schlecht weg in dieser Besprechung von Andreas Platthaus. Zwar sei der Band in rotem Leinen gestalterisch ein Fest (passend zum 85. des Autors), der Inhalt aber, laut Platthaus reicht die Themenvielfalt vom Ungemach übers Altern bis zum Ungemach über die Kritiker, weitgehend ironiefrei übrigens, überzeugt den Rezensenten auch formal gar nicht. Auch wenn es politische Lyrik ist, die Platthaus da begutachtet, mehr als zufälligen Zeilenfall und links liegen gelassenen Rhythmus hätte er gern gelesen. Oder doch lieber nicht? Einmal reimt der Autor doch, und wie! Wiese auf Krise, Schrott auf bankrott, Pleite auf Weite.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.10.2012

So einhellig vernichtend wie das Urteil über Grass' engagierte Gedichte über Israel und Griechenland ausfiel, stellt sich Adam Soboczynski die Frage, ob das hohe Ansehen des Autors womöglich unverdient sei, oder ob Grass sein Talent wohl einfach aufgebraucht habe. Eine explizite Antwort gibt der Rezensent nicht, doch bei der Lektüre von Grass' neuem Gedichtband "Eintagsfliegen" scheint er stark zu Letzterem zu tendieren. Zwar stehe Grass, indem ihm das politische Anliegen wichtiger sei als die dichterische Form, in "bester Tradition deutscher Proletarierliteratur", doch falle die politische Aussage meist arg schlicht aus. So schreibt Grass über Fukushima: "Was noch? Weit weg und ganz nah / die Kernschmelze. Leibhaftige / und geklonte Ängste." Zudem gelte das Primat des Inhalts über die Form nicht nur für Grass' politische Gedichte, sondern offenbar für alle in diesem Band versammelten. Dass Grass aber durchaus dichterische Qualitäten hat, lasse sich in seinen früheren Lyrikbänden nachleisen, wozu der Rezensent ausdrücklich einlädt.

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