Günter Eich

Günter Eich: Sämtliche Gedichte

Cover: Günter Eich: Sämtliche Gedichte
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518418598
Gebunden, 653 Seiten, 18,80 EUR

Klappentext

Auf der Grundlage der Ausgabe von Axel Vieregg. »Seid unbequem, seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt« - dies ist vielleicht die bekannteste Zeile aus den Gedichten Günter Eichs, der in den fünfziger und sechziger Jahren auf dem Höhepunkt seines Ruhms stand und dessen Gedichte neben denen Gottfried Benns und Karl Krolows für viele Leser der Inbegriff dessen waren, was moderne Lyrik nach 1945 zu leisten vermochte. Was Menschen zu den Untaten des "Dritten Reiches" veranlaßt hatte, war mit dessen Ende keineswegs untergegangen. Diesem Weiterleben rückte Günter Eich mit einer neuen Bildsprache zu Leibe, mit Chiffren, Rätseln und Symbolen für das Unheimliche, Unerklärbare der menschlichen Natur. Immer weiter bewegten sich seine Gedichte in Richtung eines witzig-lakonischen Pessimismus, richteten sie leise Hartnäckigkeit und trockenen Spott gegen die vereinnahmende Kraft des Konsums, gegen besinnungsloses Einverständnis und dümmliche Zuversicht - bis sie schließlich, bisweilen verkürzt auf Einzeiler und Ein-Wort-Gedichte, kurz vor dem Schweigen verharrten.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.02.2008

Rezensent Jochen Jung ist froh, dass das Werk (Gedichte und ein Roman) dieses zu früh verstorbenen Sohns des Dichterpaars Günter Eich und Ilse Aichinger jetzt in zwei "schönen" Bänden versammelt vorliegt. Zwar sei das Lesen der Texte von Clemens Eich nicht immer einfach. Trotzdem löst ihre Kompromisslosigkeit beim Rezensenten immer wieder leichte Schockwellen aus. Besonders die darin dominierende Schwermut, das Dunkle und Lebensuntüchtige manövrieren Jung mitunter an den Rand sichtlicher Erschütterung. Allerdings spricht er auch von den Grenzen von Eichs literarischem Vermögen, worin jedoch ein ganz eigener Reiz zu liegen scheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2007

Einerseits freut sich Rezensent Wulf Segebrecht über die "schmucke" Edition von Günter Eichs Gedichten, die Jörg Drews seinen Angaben zufolge auf der Basis von Axel Vieregg herausgegebenen Werkausgabe besorgt hat. Denn er hofft, dass es ihr gelingen wird, diesem großen Dichter neue Leserschaften zu erschließen und den Prozess der "Kondensierung" seines Werks zu stoppen. Andererseits jedoch macht er Einwände gegen die Auswahl geltend, die es aus seiner Sicht erschwert, die Entwicklung dieses Lyrikers komplett nachzuvollziehen. So fehlen zu Segebrechts Bedauern Eichs frühe Gedichte, was das Verständnis für die Dialektik von "Beharrlichkeit und Modernität" in Eichs Entwicklung für unkundige Leser unmöglich mache. Auch Drews selbst bringe dafür in seinem " temperamentvollen Nachwort" kein Verständnis auf, dessen Charakterisierung von Eichs vor 1945 entstandenen Gedichten aus Segebrechts Sicht "eher einer Strafpredigt" als einer Würdigung gleicht. Dabei sei es gerade dieses Spannungsverhältnis, dem Eich aus Sicht des Rezensenten seine singuläre Stellung in der Nachkriegsliteratur verdankt. Trotz dieses editorischen Mankos legt er deshalb Eichs Gedichte den Lesern mit einem zwingend argumentierenden Parcours durch dessen literarische Entwicklungsstufen emphatisch ans Herz.
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