Seit Klaus, der Geliebte seiner Mutter, die beiden rausgeschmissen hat, fühlt sich Michael Polischka wie im falschen Film. Statt Villa im Berliner Nobelviertel Zehlendorf heißt es jetzt Bruchbude in Neukölln. Und auf der neuen Schule stellen ihn Erroll und seine Rotjacken gleich vor die Wahl: Zahlen oder Terror. Da scheint ein Einbruch in Klaus' Villa ein Ausweg zu sein. Richtig gut wird das Ganze aber erst wieder, als Michael den Dealer Hamal kennen lernt. Den Drogenkurier spielen für Hamals Schutz? Kein Problem. Oder?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2004
Gregor Tessnows Jugendroman "Knallhart" erzählt die Geschichte eines Fünfzehnjährigen, der mit seiner Mutter aus einer Villa in eine billige Wohnung in einem armen Stadtteil ziehen muss. Hier lernt er die harten Gesetze der Straße kennen, erzählt Rezensentin Gerda Wurzenberger. Der Junge wird bedroht und schließlich erpresst, den Drogenkurier für eine Bande zu spielen. Wurzenberger kann das langsame Abrutschen des Helden "nur bedingt" nachvollziehen. Ihr bleibt dieser Jugendliche fremd, der am Ende "unendlich froh ist, in den 'sicheren' Fängen der Polizei zu landen".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 19.05.2004
Der Rezensent Ralf Schweikart kommt zu einem durchwachsenen Fazit über diesen schonungslosen Berlin-Roman. Einerseits findet er die Chronik eines sozialen Abstiegs schlüssig, der Erzählton stimmt im großen und ganzen (von einigen "Misstönen in Figurensprache" abgesehen) und es lauern auch keine heuchlerischen pädagogischen Ansätze in der knallharten sozialen Realität, die er schildert. Der erst kürzlich aus einem wohlhabenden Umfeld nach Neukölln gezogene Protagonist Michael jedenfalls schlägt voll auf dem Boden auf, es "gibt nichts, das den Crash unterschiedlicher Kulturen und Gruppen abfängt oder die Reibung mildert, die von sozialen Differenzen ausgeht". Doch es gibt einige inhaltliche und auch stilistische Fehler, die am "Lack kratzen", wie der Rezensent findet. Und das ebenso "selbstverliebte wie überflüssige Vorwort" des mit dem Autor befreundeten Zoran Drvenkar nervt Schweikart - nicht zuletzt, weil er dem Leser aufdrängt, diese "lesenswerte Chronik" mit Drvenkars Büchern zu vergleichen.
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