Klappentext
Aus dem Englischen von Henning Dedekind. Graeme Lawson nimmt uns mit auf eine fesselnde Reise durch die Geschichte der Musik, die tief in die Vergangenheit der Menschheit eintaucht: Er erkundet die magische Welt der Jagdgemeinschaften vor vierzigtausend Jahren, beleuchtet die Bedeutung der antiken Musik für unsere Vorfahren und zieht Vergleiche zu modernen Popfestivals und Streaming-Musik. Auf seinem Weg entdeckt er musikalische Schätze vom alten China bis zu den peruanischen Anden. Lawson präsentiert eine alternative Menschheitsgeschichte, in der Musik eine zentrale Rolle spielt, und füllt die stille Vergangenheit mit neuen Klängen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2025
Ein wunderbares Stück Musikarchäologie legt Graeme Lawson hier vor, freut sich Rezensent Jan Brachmann. Von Haus aus Archäologe, gräbt sich Lawson sozusagen in die musikalische Vergangenheit zurück, es beginnt mit Schellackplatten vom Anfang des 20. Jahrhundert und reicht bis vor die Ursprünge der Menschheitsgeschichte zurück - ein Menschenvorfahre namens Australopithecus nämlich war womöglich bereits mehr als drei Millionen Jahre vor unserer Zeit musikalisch aktiv. Besonders gut gefällt dem Rezensenten, wie Lawson einzelne Funde auf allgemeinere Fragestellungen seines Fachs hin perspektiviert; ohne sich freilich, wie etwa unlängst der Philosoph Christoph Türcke, interpretatorisch zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Auf einige der spektakulären Erkenntnisse, die Lawson präsentiert, geht Brachmann näher ein, darunter eine morbide Episode um rituell gemetzelte Blockflötenspieler in Mexiko. Auch über die erstaunlich frühen Ursprünge des europäischen chromatischen Tonartensystems sowie über Parallelen zwischen europäischen und chinesischen Traditionen lernt Brachmann einiges von Lawson. Insgesamt ist dieses Buch, schließt die ziemlich euphorische Besprechung, ein Musterbeispiel für eine Wissenschaft, die sowohl die Details als auch das große Ganze im Blick behält.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.08.2025
Rezensentin Katharina Granzin begleitet Graeme Lawson auf einer archäologischen Reise durch 40 000 Jahre Musikgeschichte - von der Geierknochenflöte bis zu bronzenen Hörnern, deren Guss "bis heute ein Rätsel" bleibt. Fasziniert zeigt sie, wie Nachbauten und Klangexperimente helfen, verlorene Töne zu erahnen, auch wenn "wir den Film nie sehen, nur Standbilder". Lawson denkt chronologisch rückwärts und präsentiert keine lineare Entwicklung, sondern eine Collage aus "Momentaufnahmen": Panflöten aus Eibenholz mit "moderner Werkstattpräzision", die Illusionskunst der Kathedrale von Lichfield oder den Gipsabguss einer längst zerfallenen Leier, staunt die Kritikerin. Granzin schätzt den spielerisch-forschenden Ton und das Staunen über die handwerkliche Raffinesse früherer Epochen - verbunden mit der Einsicht, dass "primitive" Musik womöglich nie existierte.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.05.2025
Rezensent Max Florian Kühlem hört mit dem Buch des Archäologen Graeme Lawson ganz neue Töne, etwa die Tonleiter des Byzantinischen. Wie der Autor eine Menscheitsgeschichte anhand der musikalischen Spuren schreibt, findet Kühlem spannend. 51 kurze Kapitel prallvoll mit Wissen, das der Autor detailliert vermittelt, reichen von Edisons Phonograph bis zurück zu Knochenflöten und 5000 Jahre alten sumerischen Leiern. Verblüffende Verbindungen erschließen sich dem Rezensenten, etwa von frühmittelalterlichen Tongefäßen in den Wänden von St- Walburga bis zur Filmmusik, wie wir sie kennen.
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