Maren Köster (Hg.), Dörte Schmidt (Hg.)

Man kehrt nie zurück, man geht immer nur fort

Remigration und Musikkultur

Klappentext

Ergebnisse einer internationalen Tagung in Tutzing, 2003. Herausgegeben von Maren Köster und Dörte Schmidt. Mit Notenbeispielen und einer CD. Verfolgung und Exil haben nicht nur die Musikgeschichte von 1933 bis 1945 geprägt. Auch die Nachkriegszeit bleibt vielfach unverständlich, wenn die langfristigen Auswirkungen von Migration und Verdrängung nicht mitbedacht werden. Die Zahl der NS-verfolgten emigrierten Musiker und Musikwissenschaftler wird auf minestens 4.000 geschätzt, davon sind jedoch weniger als zehn Prozent wieder nach Deutschland oder Österreich zurückgekehrt. Der Band eröffnet die längst überfällige Diskussion darüber, welche Bedeutung Remigration (bzw. Nicht-Remigration) und ihre individuellen sowie historischen Hintergründe für die jüngste Musikgeschichte haben. Dies berührt zentrale Probleme unserer Kulturgeschichtsschreibung; hinterfragt wird unter anderem die musikhistorische Fixierung auf die Avantgarden, die im Grunde direkt mit den gesellschaftlichen 'Leit'-Kategorien der 1950er Jahre verknüpft ist. Die Beiträge zielen statt auf biografische oder kompositorische Fallstudien auf fundamentale und interdisziplinäre Themen. Sie behandeln aus unterschiedlichen Perspektiven die Bedingungen ästhetischen Handelns.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2007

Keine fertigen Analysen zum Thema Remigration und Musik wolle der Band bieten, vielmehr Fragestellungen und "vorläufige" Ergebnisse präsentieren. Gut gefallen hat Rezensent Ulrich Teusch auch der Mix verschiedener Textsorten, essayistisch neben wissenschaftlich, und eine beigefügte Audio-CD, auf der Interviews mit prominenten Musikern zu hören seien. Das Thema Remigration ist aus Sicht des Rezensenten bisher nur wenig erforscht worden und im Unterschied zum Exil seien auch nur 200 bis 400 Musiker wieder zurückgekehrt. Bis heute, so der Rezensent, werde ihr Beitrag zur Musikkultur "gerne verdrängt". Besonders gefallen hat ihm ein "informativer wie anregender" Beitrag zur Aufführungsgeschichte in Oper und Konzert von Reinhard Knapps.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2005

Rezensentin Eleonore Büning begrüßt das Erscheinen dieses Sammelbands über den Einfluss der Remigranten auf das deutsche Musikleben, besonders weil die deutsche Musikwissenschaft im Unterschied etwa zur Literaturwissenschaft das Thema Exil- und Remigrationsforschung lange vernachlässigt hat. Büning findet den aus einer Tagung von Musikwissenschaftlern, Komponisten und Zeitzeugen hervorgegangenen Band mit seinen unterschiedlichen Ergebnissen allerdings ein wenig disparat. Die auf einer beigelegten CD dokumentierten Zeitzeugengespräche mit den Musikern Gerhard Bronner und Hannes Stein, dem Musikwissenschaftler Eberhard Rebling und dem Dirigenten Michael Gielen wirken auf sie "teils pathetisch, teils bitter". Dagegen hebt sie die nüchternen Beiträge von Maren Köster über die "Konturen eines neuen Forschungsfeldes", Gerd Rienäckers über die Neigung zum Klassizismus bei den in die DDR remigrierten Komponisten sowie Ulf Scharlaus Essay "Remigration von Musikern im Deutschen Rundfunk nach 1945" lobend hervor. Die umfangreiche Bibliographie, die der Band bietet, hält sie für "höchst brauchbar und lobenswert", zumal die musikalische Remigrationsforschung noch in den Anfängen stecke.
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