Aus dem Italienischen von Charlotte Birnbaum. Giovanni Orellis Erstling "Der lange Winter" wurde 1964 noch im Manuskript mit dem Veillon-Preis ausgezeichnet und machte den Tessiner Autor mit einem Schlag bekannt. Nüchtern und präzis schildert Orelli die Bedrohung eines kleinen Dorfes im Bedrettotal durch gewaltige Schneemassen und zeigt, wie "die vordergründige Realität sich allmählich in Versatzstücke auflöst und das Vertraute dem Unheimlichen weicht" (Alice Vollenweider). Die Bewohner müssen entscheiden, ob sie im Dorf bleiben wollen oder ob sie ins sichere Tal ziehen. Und da verlieren die Alten Einfluss, die Jungen setzen sich durch, voller Neugier auf das, was sie erwartet. Mit «Der lange Winter» verabschiedete sich Giovanni Orelli vom Bedrettotal, wo er aufgewachsen ist, ebenso wie von der Tessin-Idylle.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2003
An seinen bereits 1965 auf Italienisch erschienenen und nun in deutscher Neuauflage vorliegenden Prosa-Erstling "Der lange Winter" hat Giovanni Orelli nie anknüpfen können, findet der Rezensent Roman Bucheli. Und das sei auch kein Wunder. Denn seine Erzählung um ein eingeschneites Tessiner Bergdorf, dessen Einwohner zwei Monate lang wahlweise auf die Evakuierung und den Lawinentod warten, sei einfach meisterhaft. Aufgrund der Lawinengefahr ziehen Orellis Dorfbewohner in die weniger exponierten Häusern des Dorfes und harren, so Bucheli, zwischen dem immer gegenwärtigen Tod und dem umso stärkeren "Aufflackern aller Lebensgeister". Der Tod aber erhalte erst wirklich Einzug als die Behörden nach zwei Monaten die Evakuierung beschließen und diese im Angesicht des Todes gelebte Lebensgemeinschaft auflöst. Diese "paradoxe Erzählung", lobt der Rezensent, markiert eine Wende in der bis dahin "von ländlicher Beschaulichkeit geprägten Tessiner Literatur", und verabschiedet sie gleichermaßen, in einer "neuen Tonlage", die "noch heute ihresgleichen sucht".
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