Gert Ledig

Faustrecht

Roman
Piper Verlag, München 2001
ISBN 9783492043236
Gebunden, 230 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Mit einem Nachwort von Volker Hage. Gert Ledigs Roman "Faustrecht" erschien erstmals 1957. Ledig wirft einen unsentimentalen Blick auf die unmittelbaren Nachkriegsmonate in Deutschland und auf die beiden Kriegsverlierer Robert und Edel. Widerwillig stimmen sie dem Vorschlag ihres skurpellosen Freundes Hai zu, einen amerikanischen Jeep zu überfallen. Doch alles läuft schief, Edel wird tödlich verletzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2002

Ein Roman, der den Zeitgeist atmet. Leider den von 1957, dem Jahr seiner Erstveröffentlichung. Auf das Klima der 50er aber hat Peter Roos wenig Lust. Zumal, wenn der "groteske Irrsinn des Nachkriegs" im Kleinkriminellenmilieu wie hier in einen Thesen-Roman mit verholztem Personal und klischeehaftem Szenario verpackt wird: "'Draußen-vor-der-Tür'- Stimmung und Hemingway-Ton, Camus-Ethik und Sartre-Ekel". Und der "auf Drehbuch und Filmskript hin orientierte Krimi-Plot" gerät zur Nebensache. Zwischen der Pennäler-Diktion von Hauptsatz, einfachem Relativsatz und Dialog-Stakkato blitzen zwar dann und wann "rare Momente von Eindringlichkeit" auf, die den Rezensenten an "die lapidare und lakonische Wucht, an die Brillanz und Präzision des Stils" in Ledigs früheren Arbeiten "Stalinorgel" und "Vergeltung" erinnert, aber das Buch hat mehr als 200 Seiten!
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2001

Rainer Moritz freut sich in seiner Rezension über die Wiederentdeckung des zu Unrecht in den neueren Literaturgeschichten der deutschen Nachkriegsliteratur gänzlich vergessenen Autors Gert Ledig und seines Romans "Faustrecht". Dieser soeben neu erschienene dritte Band einer Trilogie aus der Mitte der fünfziger Jahre, dem die Neuedition von "Stalinorgel" und "Vergeltung" vorangingen, gibt Anlass zur Rehabilitierung. Nach Moritz hält Ledig dem Vergleich mit den "Markierungssteinen der frühen Nachkriegszeit" Böll, Richter, Lenz oder Kolbenhoff stand, und zwar vor allem aus dem tiefen Erleben des Krieges und seiner furchtbaren Folgen und dem Bemühen der Literaten, diesem Erleben sprachlich gerecht zu werden. Die kurze, bodenlos triste Geschichte zweier Freunde in München 1945 wird nach Moritz mit "wenigen Erzählkniffen" arrangiert und in einer schlichten, ruhelos schienenden Sprache wiedergegeben. Bei allem Bemühen um stilistische Nüchternheit und Knappheit aber bliebe der "Hang zur Metaphorik" und der "Wunsch, das Erlebte [...] mit einem symbolischen Überbau zu befrachten". In den Augen des Rezensenten bleibt Ledigs Roman damit zu sehr seiner eigenen Zeit verhaftet und zu konventionell in seinem Stil - doch immer: "ein rechtschaffendes Zeugnis aus furchtbarer Zeit, nicht mehr, nicht weniger".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.04.2001

Das wiederaufgelegte Werk aus den Zeiten des Kahlschlags hat Andreas Nentwich zurückversetzt in das Nachkriegselend der Stadt München. Einen "amerikanisch" verknappten Schwarzmarkt-Krimi, eine herbe kleine Geschichte nennt er es und gibt uns den Plot um "einen großen Coup, der übel ausgeht", obgleich, wie er einräumt, dessen Provokationen nur noch "archäologisch rekonstruierbar" sind. Macht aber nichts, findet Nentwich, wird so doch der Blick frei für den Nuancenreichtum, die Evokationsdichte und atmosphärische Kraft des hier gepflegten "Lapidarstils". Nentwich denkt an die Bilder einer verwüsteten Stadt, an die Taten und Dialoge, die stumme Beredsamkeit von Figurenkonstellationen im Raum, die der Autor beinahe kinematografisch in Szene gesetzt habe. Und das Symbolische dieses Tatsachenromans, das Nentwich erwähnt? Es zeigt sich in den "mitmenschlichen Regungen", "der Zartheit und Scheu hinter ruppigen Reden" und einer Art "Versprechen auf eine bessere und rechtlichere Zukunft" nach dem Faustrecht.
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