Gernot Wolfram

Der Fremdländer

Erzählungen
Cover: Der Fremdländer
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2003
ISBN 9783421057594
Gebunden, 160 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Gernot Wolframs Geschichten erzählen von Menschen, die plötzlich in eine Situation des Zweifelns, der Anspannung oder der Irritation geraten, weil ihre Überzeugungen brüchig werden, nicht mehr stimmen, sich verändern. Zum Beispiel geht es um einen Mann, der glaubt einem Verbrechen auf der Spur zu sein, dann, weil er das falsche Foto schießt, selbst unter Verdacht gerät. Oder ein Exilchinese in Deutschland sieht sich allabendlich an seinem Radio die Verbindung der verschiedenen Weltkulturen herstellen, bis ein Beschwerdebrief wegen Ruhestörung ihm die Fäden aus der Hand nimmt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2003

Es gebe Erzähler, deren Geschichten lesen sich wie kurze Romankapitel, sinniert Wolfgang Schneider zu Beginn, nur dass die Figuren unterschiedlich heißen, aber ansonsten dem selben Milieu entstammen. Judith Hermann oder Raymond Carver zählen für Schneider zu diesen Autoren; Gernot Wolfram dagegen ausdrücklich nicht. Wolframs Protagonisten seien zu einzelgängerisch, stellt der Rezensent fest. Er ist insgesamt beeindruckt von Wolframs Erzähldebüt, auch wenn manche Erzählungen noch wie Versuche, Fingerübungen wirkten. Zwei Vorlieben des Autors sind unübersehbar, notiert Schneider: ein Hang zu Kunst- und Künstlernovellen sowie das Globalisierungsprinzip, durch das Wolfram sein Personal rund um den Globus rekrutiert oder auf Reisen schickt, womit alle überall "Fremdländer" seien, erklärt Schneider. Manchmal wirke diese Haltung allerdings etwas aufgesetzt oder bemüht, räumt Schneider ein. Dafür entschädige der Autor mit einem Humor, der nicht auf Pointen aus sei.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.10.2003

Ein paar Geschichten dieses Erzählungsbandes findet der Rezensent Jan Brandt richtig gelungen, zum Beispiel "Am Radio", die Geschichte eines Exilchinesen, der versucht, die weite Welt am Kurzwellenradio einzufangen. Der Titel des Bandes müsste nach Brandts Meinung im Plural stehen, "denn egal, wo sich Wolframs Figuren aufhalten, ob in Berlin, Istanbul, Prag oder Poznan, keiner fühlt sich wohl in ihrer Haut, alle sind auf der Suche nach Verständnis, Nähe und ein bisschen Heimat". Nicht nur das: oft sind die Protagonisten nach Meinung des Rezensenten zu orientierungslos, um zu wissen, was ihnen fehlt. Dafür spricht nach Brandts Meinung zum Beispiel die Begegnung zwischen dem Protagonisten Baumann und der Polin Rodina in einem Hotelzimmer. In der Summe ist der Rezensent aber ein bisschen gelangweilt von der "Gleichförmigkeit der Charaktere", die weder von einem Sinn für Komik noch von "der weichen, schwebenden Melancholie" im Stile "Judith Hermanns" aufgebrochen wird, sondern konsequent in einer verknappten Sprache durchsetzt wird.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Eine große Begabung macht Ijoma Magold bei Gernot Wolfram aus, der mit 28 Jahren sein Erzähldebüt gibt. Alles tadellos, schreibt Mangold begeistert: Wolframs Erzählungen seien von geradezu makelloser Geschlossenheit, Ausbalanciertheit, Stringenz. Der Erzähler sei seinem Gegenstand in jedem Moment gewachsen und schieße auch sprachlich nie über das Ziel hinaus. Weil aber alles so makellos, so tadellos wirkt, und weil ihn der Erzähler vollends überzeugt, wünscht sich Mangold, dass er beim nächsten Mal mehr über die Stränge schlagen möge. Soviel Kontrolliertheit und Beherrschung der Mittel findet Mangold unheimlich. Am besten beherrscht Wolfram die Figurenpsychologie, meint der Rezensent, sie sei so reich und raffiniert, dass sich stets aus einer Figur mehrere Parallelgeschichten ergäben. Am beeindruckendsten führt dies wohl die Erzählung "Prager Massage" vor, die vom postsozialistischen Aufbruch handelt. Die konsequente Verankerung seiner Figuren in der Wirklichkeit bewahren Wolfram gleichzeitig davor, lobt Mangold, einer Beschaulichkeit seiner genauen Erzählung zu erliegen.
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