Gerlind Reinshagen

Vom Feuer

Roman
Cover: Vom Feuer
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518417423
Gebunden, 195 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

"Vom Feuer" berichtet von einer Freundesgruppe junger Menschen, die im Zweiten Weltkrieg in einer deutschen Kleinstadt (und fern von ihr, als Soldaten, im Gefangenenlager) aufwachsen - aber was heißt unter diesen Umständen aufwachsen? Die sich begeistern und doch entziehen, in ihre eigenen Welten einspinnen. Früh machen sie Erfahrungen mit Liebe und Tod. Wer überlebt, hat den Tod einmal bereits hinter sich, das setzt etwas frei. "Vom Feuer" zeigt, wie diese entwurzelten Menschen dann eigensinnig und ungescheut - auch kindlich, mit furchterregender Munterkeit bisweilen - die Zeit nach dem Krieg erleben. Was fangen sie mit dem geschenkten Leben an? Ob im Osten oder Westen, das Wirtschaftswunder ist ihnen fern - und bleibt es.
Spielerisch und unbedingt zugleich gehen sie ans Werk. Wobei sie den eigenen Tod gegebenenfalls in Kauf nehmen. Wie der kleine Pauly zum Beispiel, der halbverhungert aus russischer Gefangenschaft kam und, liebevoll aufgepäppelt, ins Leben zurückfand, der baute und heiratete, sich einen Bauch anfraß und bis zur Bewusstlosigkeit trank und wieder abnahm und der sich eines Tages hinsetzt, um ganz gesammelt, wach, mit allen Sinnen, nur für sich ein Mahl zu zelebrieren, das zu seinem letzten wird.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.05.2006

Als eine Art "poetische Geschichtsschreibung" der fünfziger Jahre hat Rezensentin Beatrice von Matt den Roman von Gerlind Reinshagen gelesen, die damit an ihr Lebensthema, der Aufarbeitung der Trümmerjahre, anknüpfe. Erzählt werden aus der Sicht der halb erblindeten Aneta die Biografien einer Generation von Überlebenden, die trotz erfolgreicher Lebensläufe die prägenden Erlebnisse ihrer Jugend nicht verarbeiten können und am Ende scheitern. Als eine "Gegenstimme zu den Historikern" des Wirtschaftswunders konzentriere sich die Erzählerin in einer Art "Trümmersprache" objektiv und aus der Distanz nur auf Beschreibungen der Einzelschicksale, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.05.2006

Der Begriff Gesellschaftskritik mag heute etwas altbacken sein, er klingt "nach ergrauten Hippiezöpfen" und nach "Gutgemeinten für Banausen der feineren Belletristik" - bei Gerlind Reinshagen jedoch, so Katharina Döbler, ist eine solche Schreibhaltung authentisch und verbürgt. Und das liegt an einem äußerst "feinem Gehör" für Alltagsidiome und einem "ausgeprägten Stilgefühl" der Autorin, die einstmals mit "Sonntagskinder" einer Generation von Kriegskindern eine Stimme gab. An dieses Thema knüpft auch dieser Roman fragmentarisch, "fast dokumentarisch" an - mit Briefen an einen toten Frontsoldaten. Und wie in ihren früheren Stücken und Romanen beweist die Autorin auch hier ihre Gabe, genau zuzuhören, ohne in Verallgemeinerungen abzugleiten, erklärt Döbler. Keine Autobiografie sei dieses Buch, aber man kann es durchaus als literarisch gelungenen "Vergegenwärtigung von Lebenszeit" einer "einzigartigen" Autorin lesen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.03.2006

Unterschiedliche Leseeindrücke gibt Silvia Hess von Gerlind Reinshagens Roman "Vom Feuer" wieder, zu einem Urteil kann sie sich nicht wirklich durchringen. Hess beschreibt das Buch als Aufzeichnungen einer "Lebensbeschreiberin", es geht irgendwie um Krieg und Frieden, ohne dass dabei von Zerstörung und Tod die Rede wäre. Ein stilles Buch sei es, schreibt Hess, eines das den Schleier lege über das Kriegsgetöse. "Der Lärm der Bomben, Sirenen, Panzer, das Helden-Hassgebrüll glitt vom Körper ab wie von Seide", gibt Hess ihre Impressionen wieder. Zur Sprache bemerkt sie noch, dass sie in einem "Märchenton" gehalten ist, ästhetisch ein wenig überhöht und "nicht frei von Pathos". 
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