Mit der neuen zweibändigen Ausgabe sämtlicher Werke und Briefe Georg Büchners, herausgegeben von Henri Poschmann, liegt endlich eine textlich zuverlässige und umfassend kommentierte Gesamtausgabe vor. Band 1: Dichtungen: Danton?s Tod, Lenz, Leonce und Lena, Woyzeck - in sämtlichen Fassungen und Entwürfen. Kommentar. Band 2: Schriften aus der Schulzeit, zu Politik, Naturwissenschaft und Philosophie, Briefe von und an Büchner, Materialien zu den Schriften, Dokumente. Kommentar. Mit dem soeben erschienenen zweiten Band wird ein seit langem beklagter Notstand beendet: Wichtige Teile des Gesamtwerks sind hier überhaupt erstmals in einer Ausgabe der Werke Büchners kommentiert zugänglich. In der neuen Edition wurden sämtliche Texte nach den originalen Überlieferungsträgern (Handschriften bzw. kritisch überprüften Erstdrucken) erarbeitet. Sowohl für die Texterstellung als auch für die Kommentierung wurde die Forschung der letzten Jahrzehnte ausgewertet, große Teile des Gesamtwerks werden erstmals im Rahmen einer Ausgabe durch Kommentare erschlossen: im abschließenden zweiten Band gilt dies für die "Jugendschriften, Schriften zur Philosphie und Naturwissenschaft" sowie für die "Briefe". Vor allem die bislang als Exzerpte unterschätzten Studien zu Descartes und Spinoza erweisen sich hier als Texte von eigenwertiger Bedeutung, keineswegs um bloße "Notizen" oder "Exzerpte" aus zweiter Hand, wie bislang angenommen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.1999
In einer sehr zwiespältigen Kritik lobt Eske Bockelmann zunächst die Komplettheit der Ausgabe, die mehr oder weniger alles Geschriebene von Büchner beinhalte, auch zwei bis 1993 unbekannte Briefe, selbst wenn es nicht gerade viele unveröffentlichen Dokumente gibt, wie sie der Verlag vor dem Erscheinen angekündigt hatte. Der Kommentar sei gerade im zweiten Band mit den verstreuten Schriften sehr ausführlich, allerdings bemängelt Bockelmann eine manchmal allzu dröhnende Wissenschaftsprosa. Besonders kritisch steht Bockelmann der Übertragung des "Woyceck" aus der Handschrift gegenüber. Wie viele Editoren missverstehe der Herausgeber Henri Poschmann Büchners eigentümliche Verschleifungen in der Handschrift und deute sie als Auslassung von Buchstaben. Bei der Übertragung komme dabei ein unerträgliches Kunsthessisch heraus, von dem Bockelmann glaubt, dass Büchner es gar nicht so gemeint habe. Dann aber lobt Bockelmann den Herausgeber wieder: Anders als jüngste postmoderne Deuter rücke er den politischen Impetus Büchners wieder ins volle Licht.
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