Georg Brandes

Der Wahrheitshass

Über Deutschland und Europa 1880-1925
Cover: Der Wahrheitshass
Berenberg Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783937834191
Gebunden, 182 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Georg Brandes, der Entdecker Nietzsches und kritische Europäer, nahm schon vor hundert Jahren kein Blatt vor den Mund: Er schrieb als einer der ersten über den türkischen Völkermord an den Armeniern, er berichtete wenig schmeichelhaftes über die deutsche Hauptstadt Berlin und ihre autoritätshörigen Bewohner, er verteidigte, als Däne, konsequent die Rechte nationaler Minderheiten und der kleinen Länder gegenüber der Großmannsucht der großen europäischen Nationen. Den Ersten Weltkrieg ahnte er voraus, als noch niemand etwas davon wissen wollte, und als die Katastrophe da war, blieb Brandes als stoischer Verteidiger des Alten Europa und kämpfte gegen seine Zerstörung danach. Artikel, Berichte, Aufsätze eines kritischen Europäers, und alles liest sich heute mit fröstelnder Bewunderung über so viel nüchtern kluge Weltsicht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007

Für Hans-Martin Lohmann präsentiert sich der dänische Journalist und Kierkegaard-Biograf Georg Brandes in diesem Band mit seinen zwischen 1880 und 1925 entstandenen Aufsätzen über deutsche und europäische Themen als wahrhaftiger Europäer. In seiner knappen Kritik zollt er ihm als Fürsprecher von Minderheiten und als klugen und vorurteilsfreien Ankläger von Missständen seinen Respekt. Gerade in einer Zeit, in der der Nationalismus und die "Ressentiments" blühten, findet Lohmann die Haltung Brandes' besonders bemerkenswert, wie er betont. Die Auswahl mit Texten aus über 45 Jahren von Hanns Grössel führt beeindruckend den weit gespannten "europäischen Horizont" Brandes' vor, so der beinahe ein bisschen ergriffen wirkende Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.04.2007

Imponierend aus Sicht von Rezensent Ludger Lütkehaus ist das breite Themenspektrum, mit dem Georg Brandes nicht nur als Philosoph und Literaturkritiker gewirkt habe. Wenn er beispielsweise gegen den europaweiten Antisemitismus, Kolonialismus oder den Massenmord an den Armeniern "journalistisch pointiert" anschrieb, dann habe er die heraufziehenden Kriege schon fast prophetisch vorhergesehen. Georg Brandes, so der Rezensent, sei in einem immer engstirniger werdenden Europa ein "freier Geist" gewesen, der auch mal "schneidend" ironisch werden konnte, wenn ein Kaiser Wilhelm in seiner "Hunnenrede" zum Ausrotten von Feinden aufrief. Seine Größe habe Brandes aber auch unter Beweis gestellt, als er Nietzsche als wichtigen Philosophen gewissermaßen hoffähig gemacht habe, denn seine eigene "liberale und humane" Grundhaltung sei weit von Nietzsches Denken entfernt gewesen. Nur der mittlere Nietzsche, so der Rezensent, habe es in punkto "freier Geist" mit einem Georg Brandes aufnehmen können.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.04.2007

Nicht weniger als einen Beitrag zum kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Dänemark sieht Johan Schloemann in diesen von Hanns Grössel ausgewählten und neu übersetzten Schriften des dänischen Literaturhistorikers und Publizisten Georg Brandes. Der "handliche" Band führt dem Rezensenten vor Augen, wie sich die Tradition intellektueller Publizistik in einer Persönlichkeit wie Brandes leidenschaftlich und wirkungsmächtig fortzusetzen vermochte und wie stark der Glaube an "aufklärendes Schreiben" sein kann. Unterhaltsam und bewegend zugleich erscheinen Schloemann die geistreichen und stilistisch elaborierten Analysen Brandes' zum "europäischen Machtgefüge" im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. Und dankenswerter Weise zitiert er, was Brandes künftigen Kritiker mit auf den Weg gegeben hat: "Wenn er nicht der geweihte Priester der Wahrheit ist... kann man ihn ebensogut auf einen Misthaufen werfen."
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