Aus dem Taiwanischen von Monika Li. Zwei Leichen, ein Sparbuch - und ein düsteres Geheimnis am Flussufer. Als ein älteres Ehepaar im März 2013 tot am Ufer des Tamsui-Flusses in Neu-Taipeh aufgefunden wird, gerät die zurückhaltende Jiazhen ins Zentrum einer aufwühlenden Ermittlung. Die junge Frau, die oft mit den Opfern Tee trank, schweigt zu den Vorwürfen - doch Gerüchte und Spekulationen überschlagen sich. Was geschah wirklich an jenem regnerischen Abend? In Dunkle Gewässer entfaltet die Autorin Ping Lu ein psychologisches Drama, das auf einem realen Doppelmord basiert. Mit feinem Gespür für Zwischentöne und menschliche Abgründe zeichnet sie die Porträts zweier Frauen: das der mutmaßlichen Täterin Jiazhen und das von Frau Hong, der ermordeten älteren Dame mit ihrer eigenen, vielschichtigen Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 22.05.2026
Rezensentin Sonja Hartl findet Ping Lus Thrillerdebüt spannend und formell anspruchsvoll. Aus collagierten Medienberichten und Gerichtsakten baut die Autorin laut Hartl einen ebenso faszinierenden wie nachdenklichen Krimi, der auf einem wahren Fall von 2013 in Taiwan basiert. Der Doppelmord an einem Ehepaar durch eine junge Cafe-Angestellte und die Reaktionen von Öffentlichkeit, Presse und Politik stehen im Zentrum, erklärt Hartl. Interessant findet sie die Verbindung aus literarischem Psychogramm und "messerscharfer" Gesellschaftsanalyse. Thematisiert werden die Armut junger Frauen aus der Provinz, Missbrauch und gesellschaftlicher Leistungsdruck, erklärt Hartl.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2025
Rezensentin Katrin Doerksen empfiehlt den ersten Krimi der taiwanesischen Schriftstellerin Ping Lu. Wie Lu einen realen Kriminalfall schildert, indem sie weniger auf die Ermittlungen oder die Tat selbst abhebt, sondern auf die Psychologie der Täterin, findet Doerksen stark. Sichtbar wird für Doerksen ein Hintergrund aus Missbrauch und Armut, den die Autorin mittels gerichtlichen Gutachten und Pressetexten zum Fall zusätzlich heraufbeschwört. Deutlich werden für die Rezensentin auch Missstände in der taiwanesischen Justiz und dem Umgang mit jungen Frauen. Laut Doerksen eine "düstere sozialrealistische" Sicht, die die Autorin mit allerhand Symbolik durchsetzt.
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