Friedrich Kittler

Musik und Mathematik - Band 1: Hellas. Teil 2: Eros

Cover: Musik und Mathematik - Band 1: Hellas. Teil 2: Eros
Wilhelm Fink Verlag, München 2009
ISBN 9783770547784
Gebunden, 414 Seiten, 44,90 EUR

Klappentext

"Wir möchten euch Musik und Mathematik erzählen: das Schönste nach der Liebe, das Schwerste nach der Treue." Die beiden Worte, die den Titel einer Tetralogie aus Hellas, Roma Aeterna, Hesperien und Turing-Galaxis bilden, stehen für die Wurzeln von Kunst und Wissen: musike, die Lust des Singens, Tanzens, Spielens heißt nach der Muse, die im Herzen alles aufbewahrt und daher davon sagen kann. Aus fast dem selben Ursprung stammt mathesis, das Lehren im Allgemeinen, und Mathematik, das Denken über Zahlen im Besonderen. Unter den wenigen Reimen, die in Griechenohren widerhallen, blieb der alte Spruch von pathein/mathein, leiden und lernen unverloren. Auf "Aphrodite" und die Welt des Homeros folgen nun "Eros" und die Polis der Athener. Das misogyne Athen des Euripides, Sokrates und Platon verdrängt Aphrodite (nach Sparta) und huldigt dem Eros, Mathesis trennt sich von Musik und wird zum Flottenbau, aus Nomos, dem archaischen Musikgesetz, wird Numismatik. Timetheos tritt in "Konzerten", wörtlich also Musikwettkampfspielen, nicht mehr für frische Blumenkränze auf; er singt und spielt für harte Silbermünzen. Wir Sterblichen aber sind blind geworden, als eine Sonne namens Eidos Sinn, Begriff oder Bedeutung die Netzhäute verstrahlte von Athen bis Nagasaki.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.11.2009

Das in den beiden vorliegenden Bänden von Friedrich Kittlers mythografisch erzählter vierteiliger Geschichte des abendländischen Denkens mitschwingende Pathos der Griechenverehrung kann Hans Ulrich Gumbrecht gut vertragen. Was dem Rezensenten an Kittlers Bild vom klassischen Athen, an seinen Porträts Platons und Aristoteles' sowie an der Gegenüberstellung von Nietzsche und Heidegger so gut gefällt - die mythografische Kraft -, erkennt er zugleich als möglichen Stein des Anstoßes für eine auf ihre Forschungsergebnisse pochende altertumswissenschaftliche Zunft. Gumbrecht jedoch lässt sich die Trennung von Mathematik und Musik und den Umschlag von Eros und Keuschheit im alten Hellas von Kittler nur zu gern auseinandersetzen.
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