Thomas Manns Werk entsteht in der Auseinandersetzung mit genuin modernen Spielarten der Imitatio Christi in der "Selbstkreuzigung" Friedrich Nietzsches, der christologischen Selbststilisierung Gerhart Hauptmanns und anderer zeitgenössischer Schriftsteller. Dass in der unmittelbaren Nachkriegszeit rigoros über die Religiosität oder den Atheismus Thomas Manns gestritten wurde, hat bis heute den Blick auf Präsenz und Funktion christologischer Motive in seinem Werk verstellt. Dieses Buch rückt Thomas Manns erzählerische Christusfigurationen als Form des "Self-Fashioning" in den Kontext der Moderne. Innerhalb des Gesamtwerks gewinnen sie an Relevanz, je entschiedener Thomas Mann auf mythologische Deutungsfiguren zurückgreift. Dementsprechend liegt der Schwerpunkt dieser Studie auf den mittleren und späten Werken: den "Joseph"-Romanen, dem Goethe-Roman "Lotte in Weimar" und dem "Doktor Faustus".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.05.2003
Wolfgang Schneider zeigt sich von diesem Buch, das die Christusfigurationen im Werk Thomas Manns untersucht, sehr angetan. Er preist die "kluge Disposition" des Buches und ist auch von der "klaren, unprätentiösen" Sprache der Ausführungen begeistert. Auch wenn nicht alles in der Studie neu sei, so bestehe das eigentliche "Verdienst" in der "imponierenden Systematik", mit der durch das gesamte Werk Manns das Thema untersucht worden ist, lobt Schneider. Dabei findet er Friedhelm Marx zwar auf der Höhe der neuesten Forschung, doch gefällt es ihm, dass der Autor es nicht nötig hat, darauf herumzureiten, sondern sich mit "theoretischem Understatement begnügt".
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