Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt. Die Inflation, die Deutschland zwischen 1914 und 1923 erlebte, war die dramatischste Geldentwertung, die je in einem modernen Finanzsystem stattgefunden hat. Hilflos mussten die Menschen der Weimarer Republik mitansehen, wie die deutsche Wirtschaft zusammenbrach und sich ihr Geld in Luft auflöste. Diese existenzielle Krise fügte nicht nur der jungen Demokratie nachhaltigen Schaden zu, sie sollte sich auch tief ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingraben. Die galoppierende Inflation ließ Anfang der zwanziger Jahre die Menschen das Vertrauen in Staat und Wirtschaft verlieren, was sich für die junge Weimarer Demokratie letztlich als fatales Erbe erweisen sollte. Der Staat war in den Augen vieler diskreditiert, vor allem die Mittelschicht fühlte sich betrogen. Profitieren konnten davon die Parteien der extremen Linken und Rechten: Kommunisten und Nationalsozialisten.
In seinem Buch "Inflation" diagnostiziert der britische Geschichtswissenschaftler Frederick Taylor den Deutschen eine tief sitzende Inflationsphobie, die seit inzwischen beinahe einem Jahrhundert das Kalkül von Finanzpolitikern und das polit-ökonomische Halbwissen beeinflusst, berichtet Wolfgang Uchatius. Dieses Trauma sei ziemlich geradlinig auf die große Inflation der Zwanzigerjahre zurückzuführen, die wiederum eine Folge der horrenden Zahlungen war, zu denen Deutschland als Verlierer des Ersten Weltkrieges im Friedensvertrag von Versailles verpflichtet wurde, fasst der Rezensent zusammen. Damals hat die Inflation zwar hauptsächlich das Bildungsbürgertum getroffen, das als einzige Schicht große Geldrücklagen hatte, seitdem hat sich die Phobie aber fest im allgemeinen Bewusstsein verankert, erklärt Uchatius Taylors Argument.
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