Aus dem Englischen von Malte Krutzsch. Die Leidenschaft für den Turf liegt bei den Zwillingen Mark und Clare Shillingford wohl in den Genen: Zwar hat nur Clare es geschafft, als erfolgreiche Jockette Rennen zu reiten, doch als Kommentator ist ihr Bruder ebenfalls immer mitten im Geschehen. Zu nah, für seinen Geschmack, als er mit ansehen muss, wie Clare mutwillig ein Rennen verliert. Außer Mark scheint es jedoch keiner bemerkt zu haben, seine Schwester tut den Vorfall ab. Sie gehen im Streit auseinander. Zur Versöhnung bleibt ihnen keine Gelegenheit mehr, denn am nächsten Tag ist Clare tot, vom Balkon eines Londoner Hotels in die Tiefe gestürzt. Mark kann und will nicht an Selbstmord glauben und sticht bei seinen eigenmächtigen Nachforschungen in eine Blase aus Korruption und Erpressung.
Mit "Schwesterherz" tritt Felix Francis in die Fußstapfen seines toten Vaters Dick Francis, der das Subgenre des Rennbahnkrimis nicht nur begründet, sondern im wesentlichen auch alleine bedient hat, erklärt Katharina Granzin. Auch dieser Krimi spielt im Dunstkreis einer Rennbahn und ist nach Ansicht der Kritikerin zumindest in der ersten Hälfte eine "dichte, atmosphärisch stimmige Rennbahnsoap" geworden. Granzin macht dies vor allem daran fest, dass der Beruf des Ich-Erzählers, der Rennbahnkommentator ist, sehr plastisch und detailliert vermittelt werde. Die wenig umwerfende Auflösung, die große Menge der Figuren, die eine oder andere sprachliche Redundanz und die hinter ihrem Potenzial zurückbleibende Familiengeschichte senken die Begeisterung der Rezensentin in der zweiten Romanhälfte allerdings spürbar. Warum sie den Sohn abschließend dennoch als "sehr würdigen Nachfolger seines Vaters" ausruft, bleibt vor diesen Kritikpunkten im Unklaren.
Barbara Möller macht nicht allzu viele Worte. Das Buch ist ein echter Francis, basta. Auch wenn es eigentlich ein Francis jun. ist, vom Sohn des großen Dick Francis. Dafür, dass der seine Sache ebenso gut macht wie Vaddern, legt Möller die Hand ins Feuer. Alles ist wie immer, versichert sie: Es wird schön britisch geritten und gewettet und hinter den Kulissen betrogen und gemordet, der Autor schreibt das recht heutig und realistisch auf. Und am Ende ist der Mörder tot. Wenn nun erstmals bei Francis und Co. eine "Jockette" ins Spiel kommt, macht das laut Möller die Gans auch nicht fett. Denn wer einen Francis-Krimi mag, mag sie alle, meint die Rezensentin.
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