Felix Bohr
Vor dem Untergang
Hitlers Jahre in der "Wolfsschanze"

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518432181
Gebunden, 298 Seiten, 30,00 EUR
ISBN 9783518432181
Gebunden, 298 Seiten, 30,00 EUR
Klappentext
Mit zahlreichen Abbildungen. Unweit des ostpreußischen Rastenburg, des heutigen Kętrzyn in Polen, befand sich ein zentraler Ort des Zweiten Weltkriegs: das "Führerhauptquartier Wolfsschanze". Dort verbrachte Adolf Hitler nach dem Angriff auf die Sowjetunion den Großteil seiner Zeit. Dort wurde über die systematische Ermordung der europäischen Juden entschieden. Dort ereignete sich am 20. Juli 1944 das Stauffenberg-Attentat, das der Diktator nur leicht verletzt überlebte. Doch während der Name vielen ein Begriff ist, haben die wenigsten eine genaue Vorstellung von der Anlage selbst und dem, was sich dort über knapp dreieinhalb Jahre abspielte.Auf der Basis von Zeitzeugnissen und bislang unveröffentlichten Dokumenten rekonstruiert Felix Bohr den Alltag in der "Wolfsschanze". Seine Schilderungen verknüpft er mit grundlegenden Fragen: Was erfährt man aus den Berichten von Offizieren, Köchinnen und Kammerdienern über Hitlers Persönlichkeit? Wie beeinflussten die zunehmend chaotischen Verhältnisse und die paranoide Atmosphäre in dem abgelegenen Komplex die dort getroffenen Entscheidungen? Aus Bohrs Beschreibungen ergibt sich eine präzise Analyse der obersten Ebene des NS-Regimes, die zwischen Teestunden und Waldspaziergängen das deutsche Menschheitsverbrechen plante.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2025
Nicht wirklich überzeugt ist Rezensent Andreas Kilb von diesem Buch und dessen zentralen Ansinnen, der "Wolfsschanze" einen wichtigeren Platz im Gedenken an den Nationalsozialismus zu verschaffen. Der Rückzugsort Hitlers bei Rastenburg in Ostpreußen, an dem der Diktator weite Teile der Kriegsjahre verbrachte, wird von Felix Bohr hier zunächst gemeinsam mit einer polnischen Historikerin als Tourist betreten. Kilb weist darauf hin, dass die Wolfsschanze gerade kein Kriegsschauplatz war, und tatsächlich verfängt sich viel von dem, was Bohr hier darstellt, in bekannten Allgemeinplätzen und Banalitäten über Hitlers Essgewohnheiten und Wutausbrüche. Es gelingt dem Autor durchaus ein anschauliches Bild von der Funktionsweise der Wolfsschanze in den Kriegsjahren zu zeichnen, erkennt der Kritikier an. Unter den Tisch fällt jedoch die politische Bedeutung der Anlage, schließlich konnte Hitler sich in der ostpreußischen Abgeschiedenheit auch von seiner eigenen Regierung separieren, so Kilb. Auch dass in der Wolfsschanze wichtige Entscheidungen bezüglich des Holocaust getroffen wurden, kann Bohr hier nicht überzeugend nachweisen, meint Kilb. Insgesamt plädiert der Rezensent nach der Lektüre dafür, dass sich das Gedenken auch in Zukunft auf Berlin und die Orte der nationalsozialistischen Menschenvernichtung konzentrieren soll. Die Wolfsschanze hingegen darf, wenn es nach Kilb geht, gerne weiter im Wald verrotten.
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