Mit einem Nachwort von Mirna Funk. Die jüdischen Buddenbrooks. Die lebhafte Jenny entstammt einer reichen jüdischen Kaufmannsfamilie. Durch ihre Liebe zu dem Pfarrer Gustav wird ihr erstmals klar, wie sehr die preußische Gesellschaft Angehörige des jüdischen Glaubens ausgrenzt. Mutig und selbstbewusst kämpft sie um ihre Liebe und tritt für die Emanzipation von Frauen und gegen Antisemitismus ein. Wird Jenny ihr Lebensglück finden? Der Roman von Fanny Lewald gilt als einer der bedeutendsten feministischen Frauenromane des 19. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.11.2023
Rezensent Manuel Paß freut sich, dem wichtigsten Roman der fast vergessenen deutsch-jüdischen Schriftstellerin Fanny Lewald in einer Neuauflage zu begegnen. Denn wie Lewald vom Antisemitismus im Preußen des 19. Jahrhunderts erzählt, dem selbst als weitgehend "assimilierte" Kaufmannsfamilie, hier im Zentrum der Geschichte, nicht zu entkommen war, findet der Kritiker sehr differenziert. So gehe aus Lewalds Figurenzeichnung etwa hervor, dass weder das volle Bekenntnis zur Herkunft noch deren Verleugnung - Jenny will etwa zum Protestantismus konvertieren, wogegen sich ihr Bruder vehement sperrt - letztlich ein Ausweg aus antisemitischen Anfeindungen darstellte. Auch generell lobt Paß Lewalds großes Gespür für "Ambivalenzen und Widersprüche"; keine Figur gehe je nur in einer Gruppe auf. Ein "schnörkellos-realistischer" und doch "psychologisch einfühlsamer" Roman und ein wichtiges literarisches Zeugnis jüdischer und weiblicher Emanzipation, dem der Kritiker nur ein großes Publikum wünschen kann.
Eine wichtige Wiederentdeckung ist Fanny Lewalds doppelt emanzipatorischer Roman aus dem Jahr 1843, meint Rezensentin Manuela Reichart. Die Hauptfigur Jenny entstammt einer zunächst glücklichen, wohlhabenden Familie. Es ist allerdings auch eine jüdische Familie in einer zutiefst antisemitischen Gesellschaft. Es gibt Parallelen zwischen Autorin und Protagonistin, führt Reichart aus, wobei der Roman freilich nicht auf die Wiedergabe von Selbsterlebtem zu reduzieren sei. Vielmehr zeichnet Lewald laut Reichart ein faszinierendes Frauenporträt, das vom Kampf um Selbstbestimmung geprägt ist. Die Heirat mit einem Pfarrer und der Übertritt zum Christentum bringen Jenny kein Glück, erfahren wir, auch eine weitere Beziehung endet nicht gut. Es geht stets gleichzeitig um den Kampf gegen sexistische und antisemitische Unterdrückung, so Reichart. Letztere werde auch anhand einer weiteren Figur, Jennys Bruder, in schmerzhafter Deutlichkeit vorgeführt. Ein beeindruckendes Zeitbild des 19. Jahrhunderts, das schon viel vom 20. vorweg nimmt, schließt die Rezension.
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