Sechzehn Monate
Roman

Rotpunktverlag, Zürich 2025
ISBN
9783039730520
Gebunden, 216 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Karin Diemerling. 5. März 1944: In Cremenaga, einem kleinen Dorf an der italienisch-schweizerischen Grenze, wird der Schreiner Giuseppe Vaglio von der deutschen SS verhaftet. Er hat Juden und verletzten Partisanen geholfen, den Grenzfluss Tresa zu überqueren und sich in die Schweiz zu retten.Am 6. Juli 1945, sechzehn Monate nach seiner Verhaftung, kehrt Giuseppe zurück: verwundet, abgemagert, auf einem Ohr taub. Bis an sein Lebensende schweigt Giuseppe - er ist der Großvater von Fabio Andina - über das, was er erlebt hat. Im Roman Sechzehn Monate zeichnet Andina das Bild einer Dorfgemeinschaft, die in Kriegszeiten zusammenhält, obwohl der Faschismus einzelne Dorfbewohner vergiftet. Er porträtiert Giuseppes Frau, die fromme Concetta, die versucht, ihre zwei Kinder nie spüren zu lassen, wie verzweifelt sie ist. Und er begleitet Giuseppe auf seinem Leidensweg durch drei italienische Gefängnisse, auf dem Transport nach Mauthausen und durch den Albtraum der KZ-Zwangsarbeit.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2025
Rezensentin Christiane Pöhlmann bewundert den besonderen Blick, mit dem sich Fabio Andina der Geschichte seines Großvaters annimmt: Auf Basis eines großen Schweigens, das der Großvater Guiseppe nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager nicht brechen wollte, entwirft sein Enkel, der ausgebildete Filmwissenschaftler Andina, die rund anderthalb Jahre zwischen der Verhaftung am Küchentisch und der Rückkehr zu seiner Familie 1945 in eindrücklichen filmisch-szenischen Schlaglichtern, bleibt dabei aber inhaltlich trotzdem sehr differenziert, lobt Pöhlmann. So wird etwa Guiseppes Aktivität als Fluchthelfer, der Grund seiner Verhaftung, nicht nobilitiert, sondern auch ganz klar finanziellen Interessen zugeschrieben, so die Kritikerin anerkennend. Auch, dass sich in der abwechselnden Darstellung von Guiseppes Innenleben und dem seiner zurückgebliebenen Frau zwar einerseits eine Verbundenheit, aber andererseits auch Mechanismen des Verschweigens offenbaren, fällt ihr positiv auf. Ein kreativer, "warmherziger" und doch nie verklärender Blick auf seine Großeltern, dem man nur manchmal die heutige Perspektive anhört - insgesamt lobt die Kritikerin die "unaufgeregt elegante" Sprache, die von Karin Diemerling zudem hervorragend übersetzt sei.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2025
Am Ende eines langen Schweigens steht Fabio Andinas Roman über die KZ-Erlebnisse seines Großvaters Giuseppe, denn die Großeltern sprachen Zeit ihres Lebens nicht über das Geschehene, erklärt Rezensent Roman Bucheli. Guiseppe wird in seinem Dorf 1944 von der SS verhaftet, weil er Flüchtlingen half, laut dem Roman wurde er von einem anderen Dorfbewohner denunziert. Andina ist dem Kritiker aus seinen Vorgängerromanen als hervorragender Schriftsteller bekannt, und auch hier weiß er Bucheli zu fesseln, wenn er mit großer "poetischer Imaginationskraft", gestützt auf einige wenige Dokumente, die Lagerhaft und die Flucht Guiseppes rekonstruiert. Dieser ergreift beim Anrücken der Alliierten die Chance und flieht mit einem Freund aus dem KZ Mauthausen. Parallel schildert Andina die Geschichte der Zurückgebliebenen im italienischen Dorf Cremenaga, wo Guiseppes Frau erschüttert zurückbleibt, und außerdem die Untaten der Wehrmacht in Italien. Diese Geschichte ist mitreißend und erschütternd, so der Kritiker, auch wenn Andina die von Guiseppe erlebte oder mitangesehene Gewalt nicht "ausstellt". Was hier real genau so passiert ist, weiß man nicht ganz genau, weil Andina viel hinzuerfunden hat - das ist aber gar nicht wichtig, meint der Kritiker, was zählt ist hier nur die erzählerische Kraft.