Eva Polak

Nessy kann auch anders

(Ab 10 Jahre)
Cover: Nessy kann auch anders
Sauerländer Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783794146994
Gebunden, 144 Seiten, 12,76 EUR

Klappentext

Mit Bildern von Sabine Wiemers. Für Nessy steht fest: In das Haus von Wolfgang Mayer und dessen Sohn Jan zieht sie nicht ein. Und wenn ihre Mutter noch so dringend eine neue Wohngemeinschaft sucht. Klar, das Haus ist schön und hat einen tollen Garten. Wenn nur dieser Jan nicht wäre! Nur weil er ein bißchen älter ist und schon in die vierte geht, meint er wohl, er wär ein toller Hecht. Und mit so einem soll Nessy jetzt unter einem Dach wohnen? Na warte, denkt Nessy, das werde ich verhindern! Zum gemeinsamen Kennenlern-Frühstück bei den Mayers nimmt sie Marens Ratte mit, doch das hat nicht die erhoffte abschreckende Wirkung. Stattdessen kommt sie auf eine neue Idee, um den Plan mit der WG zu vereiteln: ein Hungerstreik! Und Jan macht mit. Nessy staunt nicht schlecht. Ist dieser Typ vielleicht doch nicht so verkehrt?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.12.2000

Roswitha Budeus-Budde bespricht in einer Sammelrezension drei Kinderbücher, die gemeinsam haben, dass sie ihren widerborstigen Helden viel Freiheit lassen - und somit auch eine pädagogische Herausforderung für die Eltern darstellen, die ihren Kindern diese Bücher zum Lesen geben.
1) Edith Schreiber-Wicke: "Der irrste Schultag"
Xenia darf ihren Hund Alois am ersten Schultag nicht mit in die Schule nehmen - und zum Zeichen des Protests legt sie sich am nächsten Tag selbst ein Hundehalsband um. Statt der kinderbuchüblichen "Seelenmassage" und der Botschaft, dass man sich nun mal anpassen müsse, hat Xenia Erfolg. Die Lehrerin akzeptiert das Protestverhalten, die Mitschüler erscheinen auch im Hundelook und man bietet dem Schuldirektor die Stirn. Die Rezensentin steht dem Buch offensichtlich wohlwollend gegenüber, ist freilich auch nicht sicher, wie weit sich die Forderung nach "Meinungs- und Entscheidungsfreiheit der Kinder" im Alltag umsetzen lässt.
2) Eva Polak: "Nessy kann auch anders"
Nessy, die Heldin dieses Buches, hasst Männer, das hat sie von ihrer Mutter, die in einer Weiber-WG lebt. Dann aber will die Mutter zu einem Freund ziehen, Nessy ist entsetzt und verbündet sich mit dem Sohn des Freundes gegen die Erwachsenen. Es kommt zum Hungerstreik, endet aber versöhnlich - mit dem Sieg der Kinder. Nessy, so die Rezensentin, ist zwar "unbequem", sprengt aber "nicht wirklich die Grenzen emanzipatorischer Kinderliteratur".
3) Stein Erik Lunde: "Gilberts Rache"
Von erstaunlichem Kaliber ist Gilbert, der Held dieses Buches, der keine Eier verträgt. Dennoch rührt seine Tante ihm immer wieder Eier ins Essen. Sie wird als zynische Person geschildert und so scheint die brutale Rache gerechtfertigt, die die Rezensentin nicht genauer beschreibt, es ist nur vom weihnachtlichen Feuerspucken der Tante die Rede. Der Autor verurteilt den "Rachefeldzug" des Jungen zu keinem Zeitpunkt. "Ein gefährliches Buch?", fragt die Rezensentin. Nein, meint sie, der Schluss sei nur konsequent und auch für Kinder begreiflich. Und die Erwachsenen bekämen zu sehen, "dass Kinder keine hilflosen Opfer sein müssen."
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