Eske Bockelmann

Im Takt des Geldes

Zur Genese modernen Denkens
Cover: Im Takt des Geldes
zu Klampen Verlag, Springe 2004
ISBN 9783934920378
Gebunden, 511 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Descartes, Galilei, Newton haben unsere Weltauffassung von Grund auf verändert und einem vollständig neuen Denken zum Durchbruch verholfen. Erst durch die wissenschaftliche Revolution des 17. Jahrhunderts sind jene dramatischen technischen Fortschritte möglich geworden, die inzwischen das gesamte Leben der Menschen durchdringen. Was aber hat dieses neue Denken ermöglicht? Eske Bockelmann zeigt, dass die Umwälzung sehr viel grundstürzender verläuft, als selbst die Bewunderer des wissenschaftlichen Aufbruchs ahnen. Denn um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert verändert sich grundlegend nicht nur das Denken, sondern sogar die Rhythmuswahrnehmung der Menschen. Das Hören nach dem Takt, das uns heute als das einzig natürliche erscheint, hat seinen historischen Ursprung in derselben Zeit und in derselben gesellschaftlichen Umgebung wie die moderne Wissenschaft.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.08.2004

Eine Lanze bricht Thomas Steinfeld für Eske Bockelmanns "Im Takt des Geldes", das die "Genese des modernen Denkens" erklären will. Zwar ist Steinfeld bewusst, dass es manches gibt, das man einwenden könnte gegen Bockelmanns zentrale These, wonach das Geld im Laufe der Renaissance im menschlichen Bewusstsein erst den Sinn für Abstraktion geschaffen hat - einen Sinn, der sich im gleichmäßigen Takt der Musik ebenso bewährt wie im Versmaß der Lyrik oder im gleich-gültigen Umgang des Subjekts mit den Objekten, die seine Welt füllen. Unübersehbar aber ist der Rezensent in Bann geschlagen von der Gelehrsamkeit, auch von der (und das mag man dem Literaturkritiker in Steinfeld zuschreiben) auktorialen Verve, mit der Bockelmann, Altphilologe und Sprachlehrer an der Universität Chemnitz, seine Thesen vorträgt, wonach mit dem Geld das Maß aller Dinge, nicht zuletzt auch des menschlichen Bewusstseins, in die Welt gekommen sei. In eine Reihe mit Max Stirners "Der Einzige und sein Eigentum" und Georg Simmels "Philosophie des Geldes" stellt Steinfeld Bockelmanns Studie und preist die "Großartigkeit seines Entwurfs".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2004

Nicht wirklich überzeugt zeigt sich Rezensent Andreas Platthaus von Eske Bockelmanns Buch "Im Takt des Geldes", das immerhin beansprucht, die Welt neu zu erklären. Im Zentrum des Buches sieht er Bockelmanns Theorie der "funktionale Abstraktion", einem Reflex, der sich mit der Einführung des modernen Geldverkehrs im sechzehnten Jahrhundert ausgebildet habe. Dabei handle es sich um eine Abstraktionsleistung, die das Verhältnis von Geld und Ware verlange, und die einen Dualismus von "reiner Einheit" (Geld) und "rein bezogener Einheit" (Ware) hervorgebracht habe. Seitdem halte die "funktionale Abstraktion" die moderne Philosophie gefangen und lasse die Menschen nur noch in eine Richtung denken. Ziemlich obskur wird die Geschichte, wenn Platthaus zu erläutern sucht, wie Bockelmann auf seine Theorien kommt. Dahinter steht nämlich die Annahme, dass die Menschen vor Inkrafttreten der "funktionalen Abstraktion" andere Ton- oder Sprachfolgen als rhythmisch empfunden haben, eine These, mit der sich Platthaus recht ausführlich beschäftigt. Wie auch immer: Bockelmann hält sich nach Ansicht von Platthaus für den einzig Hellsichtigen unter den Denkern, weil er den allen modernen Denken vorgängigen Mechanismus erkannt habe. Dabei räumt Platthaus ein, dass er Bockelmann bisweilen ganz "anregend zu lesen" findet. Um gleich hinzuzufügen, dass das Ganze als Essay mehr Überzeugungskraft entfaltet hätte denn als Wälzer, der vor Wiederholungen nur so strotzt. Ärgerlich findet Platthaus zudem den Jargon des Autors, "der an Umständlichkeit seinesgleichen nicht hat."
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