Erri De Luca

Montedidio

Roman
Cover: Montedidio
Graf Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783862200313
Gebunden, 224 Seiten, 14,99 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Es liegt herrlich in der Hand, das glatte, schwere Holz, das, richtig geworfen, ihm eines Tages Flügel verleihen wird. Dieser Bumerang, ein Geschenk seines Vaters, ist für den jugendlichen Ich-Erzähler das Wertvollste, was er besitzt. Die Tage verbringt der Junge in der Schreinerwerkstatt Meister Erricos, wo auch der Schuhmacher Don Rafaniello seine Werkbank hat. Rafaniello hat einen Buckel und behauptet, darunter würden sich Flügel befinden, wie bei einem Engel. Sie hätten es ihm ermöglicht, sich im Krieg zu verstecken. Jeden Mittag steigt der Junge hinauf auf die Dachterrasse des Mietshauses, um dort unbeobachtet mit seinem Holz zu trainieren. Und abends ist er erneut oben, um die gleichaltrige, aber schon viel erwachsenere Nachbarin Maria zu treffen. Sie kann er davon überzeugen, dass die Reinheit des Herzens stärker ist als die obskure Macht des Bösen, so hat es ihn wenigstens Don Rafaniello gelehrt. Eines Tages beschließt er, Maria sein Geheimnis, den Bumerang, vorzuführen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012

Diese Buch erinnert Rezensent Thomas Steinfeld an die erzählerische Dringlichkeit des Neorealismus, es wirkt auf ihn zunächst wie aus der Zeit gefallen, aber dann ergreift es ihn doch: Denn der süditalienische Kontext, so  Steinfeld, ist uns in der gegenwärtigen Krise näher gerückt. Das Buch spielt in Neapel - es war übrigens auf Deutsch schon 2004 erschienen, findet aber erst in der jetzigen Neuausgabe des Graf-Verlags Beachtung, wohl auch, weil der Autor inzwischen den Petrarca-Preis erhalten hat. Laut Steinfeld entwickelt es in tagebuchartigen "Eintragungen" eine große Dichte, die auch daher stammt, dass der Leser sich Zusammenhänge selbst rekonstruieren müsse. Es ist ein Panorama des neapolitanischen Elends und zugleich die Geschichte der Erweckung eines Jungen, der zum Schreiben findet. Steinfeld erinnert an Erri di Lucas linksradikale Vergangenheit, aus der sein anhaltendes, sich "als revolutionär wahrnehmendes Verlangen nach Wahrhaftigkeit" zu erklären sei. Dass sich daraus ein strenges Gut-und-Böse-Schema mit guten Arbeitern und bösen Hausbesitzern ergibt, stört Steinfeld nicht.
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