Ernst Krenek führt in der Erzählung "Die drei Mäntel des Anton K." (1938) seinen Titelhelden auf der Suche nach einem vertauschten Mantel mit wichtigen Dokumenten durch ein unübersichtliches Labyrinth von obskuren Lokalitäten. Die merkwürdigen Begegnungen mit dubiosen Herren und (Halbwelt-)Damen, seine Verhaftung und Befragung von scheinbar allmächtigen Beamten lassen Anton K. - ein Nachnamensvetter von Franz Kafkas Josef K. - fast verzweifeln.
Rezensentin Waltraud Schwab würdigt den Autor sowohl als Komponisten wie als Schriftsteller, wenn sie die Form diesesTextes als Fuge beschreibt. Sowohl den endlosen Versuchen K.s - nicht zufällig benutzt er das Kürzel K. aus Kafkas Prozess -, seine Existenz zu beweisen, als auch das groteske Sich-Totlaufen der Bürokratie schreibt sie "Atonalität" zu - und eine schreckliche Aktualität. Ein wenig Unverständnis blitzt am Ende der Besprechung auf, wenn die Rezensentin den Mangel an politischer Einmischung K.s - falls die entsprechende Passage eine Selbstbeschreibung Kreneks sein soll -, streng kritisiert, als habe ein Geflüchteter kein Recht mehr aufs Unpolitisch-Sein.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.12.2020
Rezensent Markus Schwering hält die Wiederveröffentlichung von Ernst Kreneks Novelle von 1938 für eine Entdeckung, nicht nur wegen des kafkaesken Themas des Kampfes des Individuums gegen die Bürokratie, nicht nur wegen der autobiografischen Anteile der Erzählung, in der Krenek seine Erfahrungen auf der Flucht und im Exil wiedergibt, sondern vor allem auch wegen Kreneks Händchen für absurde Tragikomik, für Verdichtung, Komposition und "stilistische Allusionen an Kafka" wie auch für einen den Rezensenten an den Wiener Kanzleistil erinnernden Ton. Ob ihm Krenek als Komponist besser gefällt oder als Schriftsteller, vermag der Rezensent kaum zu entscheiden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2020
Rezensent Andreas Platthaus staunt, wie Ernst Krenek sein kompositorisches Talent auch beim Schreiben und in dieser Novelle beweist. Die an Kreneks eigene Fluchterfahrungen von 1938 anknüpfende Geschichte behandelt laut Platthaus die Unsicherheit in der Fremde. Dass der Autor einen Beamten in die Story einbaut, der Kafka gelesen hat, ist nicht der einzige Bezug zu dem Schriftsteller, erklärt Platthaus. Sehr schön findet der Rezensent den Abdruck der deutschen und der englischen Fassung im Band. Der Leser kann so selbst einen Vergleich der von Krenek verschieden gestalteten Ausgaben anstellen, meint er.
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