In seinen Sudelbüchern notierte Georg Christoph Lichtenberg 35 Jahre lang allerlei Einfälle, Ideenassoziationen, Gedankenexperimente und Versuchsanordnungen. Diese legendären Notizhefte bilden jedoch kein literarisches bzw. epistemisches Ganzes. Sie sind vielmehr ein Sammelsurium von Texten, in dem die "zwei Kulturen" aufeinandertreffen: die rhetorisch-poetische und die naturwissenschaftliche. Das Aufzeichnen besitzt dabei eine doppelte zeitliche Signatur, denn diese kleinenTextformen haben nicht nur eine mnemonisch-aufbewahrende Funktion; sie erweisen sich auch als Winke für künftiges Wissen. In ihrer Monographie geht Elisabetta Mengaldo dem für die Sudelbücher zentralen Zusammenhang von Rhetorik als traditioneller Kulturtechnik und Formen der Wissensanordnung an der Schwelle zwischen taxonomischen Modellen und modernen Beobachtungs- und Experimentalpraktiken nach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2021
Rezensent Hans-Jörg Rheinberger wird ganz wehmütig angesichts von Elisabetta Mengaldos Untersuchung der Formen des "kleinen Wissens" anhand von Lichtenbergs "Sudelbüchern". Dergleichen fantasiebegabte Wissensanreicherung scheint ihm rar geworden. Umso schöner findet er, dass Mengaldo, akademisch tönend zwar, doch anregend, Lichtenbergs Verschränkungen von Naturwissenschaft, Anthropologie und Rhetorik nachgeht. Die Bedingungen der Wissenserzeugung und Lichtenbergs Wissensordnungen und ihre Effekte im Kontext der Aufklärung werden dem Rezensenten dabei offenbar.
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