Zehn Jahre hat Alina ihre Schwester Irma nicht mehr gesehen, nun wartet die junge Frau am Berliner Ostbahnhof auf die späte Nachzüglerin. Die russlanddeutsche Familie Schmidt war Anfang der achtziger Jahre nach Dresden gekommen. Alina erinnert sich, wie sich die neue, fremde Heimat anfühlte, deren Sprache sie nicht verstand und deren Verheißungen groß schienen. Wie aus den deutschen Russen mit der Zeit russische Deutsche wurden. Und wie Oma Erika, die Donauschwäbin, vom harten Leben der Vorfahren in Kasachstan erzählte. Eleonora Hummel entfaltet in ihrem Roman die wendungsreiche Geschichte einer Aussiedler-Familie, die sich auf eine Reise ins vermeintlich gelobte Land macht und auf dem harten Boden der Realität landet. Nach einigen Jahren im DDR-Sozialismus fällt die Mauer und mit ihr der Zusammenhalt: Nun macht jeder seinen eigenen Gebrauch von der neuen Freiheit. Spannend, präzis beobachtend und mit leisem Humor schreibt Eleonora Hummel vom langen Atem der Vergangenheit, von Glücksversprechen und einer jungen Heldin auf der Suche nach sich selbst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.07.2009
Tja: Rezensentin Insa Wilke erzählt vom verpassten Anschluss an ein gelungenes Debüt, packt das aber in eine Konstruktion, die ihrerseits überflüssig ist - und anstrengend für die Leser: Denn warum muss man die enttäuschte Notiz über ein nicht recht gelungenes Buch als offenen Brief an den Bahnpräsidenten darstellen - nur weil man sich bei dem Buch gelangweilt hat wie in einer zugigen Bahnhofshalle beim Warten auf den verspäteten Zug? Hummels Debüt hatte die Rezensentin mit ihrer Geschichte der Ankunft einer russlanddeutschen Familie in der DDR berührt. Der Anschluss, der die Geschichte nach der Wende fortsetzt, ermüdet Wilke mit Rückblenden und unüberwindlicher Langeweile. Wenigstens etwas, wofür der Bahnpräsident nun wirklich gar nichts kann.
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