Herausgegeben von Reinhard Liehr, Günther Maihold und Günter Vollmer.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2004
Recht aufschlussreich findet Rezensent Jürgen Zimmerer diesen Sammelband über das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) während der Zeit des Nationalsozialismus. Entgegen der Eigendarstellung des Instituts nach Kriegsende als "unpolitisches Refugium" einzelner Wissenschaftler zeichnet der vom IAI initiierte Band Zimmerer zufolge ein ganz anderes Bild. Er belege nämlich, dass das IAI zu den "prestigeträchtigeren wissenschaftlichen Einrichtungen" im "Dritten Reich" gehörte. Den Akzent des Bandes sieht Zimmerer dabei beim "akademischen und kulturellen Vorarbeitertum im Windschatten der Vernichtungskrieges". Deutlich werde dabei, dass es unpolitische Wissenschaft oder Kultur im "Dritten Reich" nicht gab. Insbesondere die Person des langjährigen, 1933 berufenen Präsidenten Wilhelm Faupel, der aus dem Institut eine Organisation mit erheblicher politischer Reichweite gemacht habe, stehe dabei im Blickpunkt. Oliver Gliech zeichne mit seiner biographischen Skizze Faupels einen Protagonisten des "Dritten Reiches", so Zimmerer, "der in der zweiten Reihe stand, der aber typisch für eine Vielzahl begeisterter Anhänger des Nationalsozialismus sein dürfte". Der Band zeige, wie sehr die außenpolitischen Eliten und solche, die es werden wollten, im globalen Maßstab dachten. Dabei legt er nach Einschätzung Zimmerers Grundlagen, "von dem nachfolgende Studien etwa zu transnationalen Wissenschafts- und Kulturbeziehungen ebenso profitieren werden wie Abhandlungen zur deutschen Außenpolitik gegenüber Portugal, Spanien und Lateinamerika".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2003
Der von Reinhard Lier und anderen herausgegebene Sammelband über die Geschichte des Berliner Ibero-Amerikanischen Instituts (IAI), das im Oktober 2000 sein 70-jähriges Bestehen feierte, hat Frank-Rutger Hausmann durchaus überzeugt. Schwerpunkt der Jubliäumsfestschrift, die der Berliner Historiker Oliver Gliech im Auftrag der Institutsleitung erstellt hat, ist das Institut während der Jahre von 1933-45, berichtet Hausmann. Wie er ausführt, wurde das IAI nach der Gleichschaltung durch die Nazis dem General Wilhelm Faupel unterstellt, der mit kurzer Unterbrechung bis Kriegsende als Präsident amtierte. Obwohl die Aktivitäten des IAI durch einen umfangreichen Aktenbestand im Geheimen Staatsarchiv Berlin dokumentiert sind, bleiben zahlreiche Aktivitäten des IAI im Dunkeln, da Faupel die Akten kurz vor Kriegsende "säubern" ließ, erläutert Hausmann. Dennoch haben Gliech und seinen Mitstreitern ihr Bestes gegeben. Entstanden ist zur Freude Hausmanns ein "gut dokumentierter Wissenschaftskrimi", der auch dann noch ergiebig sei, wenn die Spurensuche im Sande verlaufe. Ein besonderes Lob spricht Hausmann Gliechs Lebensskizze Faupels aus, die von "bleibenden Wert" sei.
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