Edward O. Wilson

Darwins Würfel

Cover: Darwins Würfel
Claassen Verlag, München 2000
ISBN 9783546002257
Gebunden, 247 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thorsten Schmidt. Wie wohl kaum ein anderer Wissenschaftler hat Edward O. Wilson Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen erforscht, ist ihrer sozialen Organisation, ihrem Verhalten und ihrer Beziehung zu ihrer Umwelt auf den Grund gegangen. Und dies nicht nur, um die Menschen etwas über die Natur der Tiere zu lehren, sondern vielmehr, um herauszufinden, was uns die sozialen Strukturen und Verhaltensmuster über unsere eigene Natur erzählen. Und so stellt Wilson in diesen zwölf Aufsätzen faszinierende Fragen wie beispielsweise die, warum auf der ganzen Welt Stadtmenschen genauso häufig von Schlangen träumen wie Regenwaldbewohner. Natürlich hielt schon Freud mit der phallischen Symbolik der Schlange eine Antwort parat, aber Wilson geht, im Rückgriff auf die Naturgeschichte, weit über jede tiefenpsychologische Deutung hinaus. Die enge Verflechtung von außermenschlicher Natur als dem Teil der Welt, der unabhängig von uns und scheinbar ewig existiert, und menschlicher Natur, unserer individuellen Eigenart, ist auch zentrales Thema der anderen Aufsätze in diesem Band. Sie handeln vom genetischen Ursprung menschlichen Verhaltens, von Ameisen, Haien und Hyänen, und vor allem vom Wert der Vielfalt, ohne die der Mensch hoffnungslos zu Grunde ginge. Begeht die Menschheit mit der Ausrottung von über 30.000 Arten jährlich kollektiven Selbstmord? Wilsons Antwort ist Nein, doch trotz allen Optimismus ist die Bedrohung der Biodiversität groß genug, dass ein Überdenken unseres Selbstbildes als Art unabdingbar ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000

Edward O. Wilson, der Erfinder der Soziobiologie, hält in seinem neuesten Buch am durch und durch darwinistischen Weltbild fest. Er ist dabei freilich, findet der Rezensent Ulrich Woelk, "ein sympathischer Reduktionist". Der Band stellt noch einmal die Grundannahme der Soziobiologie vor: der Mensch ist ein Gefangener seiner Gene, die, moralisch gesehen, nichts Gutes im Schilde führen; wir sind geprägt von "Kurzsichtigkeit, Egoismus, Aggressivität und Irrationalität". Keineswegs verschwiegen, so Woelk, wird aber auch die Ohnmacht der Evolutionstheorie: die Evolution ist zu komplex, als dass ihre Ergebnisse je vorhersagbar wären. Die Theorie liefert nur nachträgliche plausible Beschreibungen und Erklärungen. Zuletzt aber gibt es noch ein wenig Hoffnung: Wilson setze auf eine genetische "Biophilie" des Menschen, eine Liebe zum Leben und der Natur, die den Homo Sapiens vielleicht doch vor dem baldigen Untergang bewahrt.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Mehr Bücher aus dem Themengebiet