"Nacht" ist der erste Roman Edgar Hilsenraths, er schildert in erschütternder Form den Überlebenskampf zweier junger Menschen in einem rumänischen Ghetto. Das Buch war ebenso wie Hilsenraths zweiter Roman "Der Nazi & der Friseur" ein Welterfolg und muss, wie Andreas Graf in der Deutschen Vierteljahresschrift für Literaturwissenaft und Geistesgeschichte betonte, »unter die bedeutendsten Werke der deutschen Nachkriegsliteratur« gerechnet werden. "In Dantes Inferno geht es nicht höllischer zu. Zum Wolf gewordene Menschen schlagen sich für eine verfaulte Kartoffel, kämpfen brutal und gerissen um einen elenden Schlafplatz. Ein Jude aus Deutschland beschreibt so, was er als Halbwüchsiger im Zweiten Weltkrieg in einem rumänischen Ghetto er- lebt hat."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.03.2006
Überfällig findet Jan Süselbeck die Neuauflage von Edgar Hilsenraths Holocaust-Roman "Nacht", dem in Deutschland bisher kein großer Erfolg vergönnt war. 1964 erstmals herausgebracht, interessierte sich kein Mensch für diese "lakonische, gewaltsame" Erzählung vom Überlebenskampf in einem osteuropäischen Ghetto. Auch die zweite Auflage des Romans 1978 wurde nach einem harschen Verriss von Fritz J. Raddatz bald beerdigt. Der dritten wünscht Süselbeck nun endlich das Publikum, das sie verdient. Denn was Raddatz noch als Schwäche des Romans ausmachte - Wortgeklingel statt Posaunen, "statt der Stummheit gegenüber dem Unsagbaren, unsägliche Beredtheit das Fehlen - das alles hält Süselbeck gerade für die Stärke des Romans. Erstaunt hat ihn übrigens, wie er noch bemerkt, dass im Buch kein einziges Mal von den deutschen Tätern die Rede ist.
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