1 CD mit 50 Minuten Laufzeit. Stimmen: Meret Becker, Judith Engel, Frank Glaubrecht u.a. Das Leben dauert einen Nachruf lang, und wenn es gut ging, war es eine Reise... EPITAPH ist ein Hörspiel aus lauter Miniaturdramen, in denen ungewöhnliche, so komische wie tragische Todesfälle erzählt werden. Geschliffene Epigramme wechseln mit Schauergeschichten aus einer fernen Gegenwart, Anekdoten aus aller Welt. Und dazwischen sucht eine Stimme nach Halt, indem sie zum Anfang zurückpeilt, in die früheste Kindheit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2002
Häufig erscheinen Hörbücher parallel zu einer Buchausgabe - ein überraschend teures Abfallprodukt, stellt Martin Zingg fest, aber autotauglich, da man während des Fahrens bekanntlich besser nicht lesen sollte (außer vielleicht Verkehrszeichen und Straßenschilder). Bei der CD, die der Dichter Durs Grünbein und die Musikerin Ulrike Haage gemeinsam erarbeitet haben, ist dagegen etwas entstanden, berichtet Zingg, dass sich in Buchform nicht realisieren ließe. Haage hat die Gedichte und kurzen Prosastücke Grünbeins sozusagen musikalisch arrangiert: in eine bestimmte und überzeugende Abfolge gebracht, instrumental unterstützt durch Klavier, Vibraphon, elektronische Musik. Für Zingg hören sie sich an wie eine Lebensreise vom ersten Herzklopfen im Fruchtwasser bis zum sicheren Tod, 22 Stationen, die immerhin in einem Booklet mitverfolgt werden können. Texte, Musik, Stimmen und die musikalische Inszenierung seien eindrücklich gelungen, lobt der Rezensent.
Konrad Heidkamp schwärmt in den höchsten Tönen von dieser rundum gelungenen CD. "Durchdacht" werde hier die Musik von Ulrike Haage als "Spiegel oder Gegenspiegel" zu den Gedichten von Durs Grünbein eingesetzt. Auch die verschiedenen Sprecher, die sich die "Sätze wie Staffelstäbe" übergeben, gefallen dem Rezensenten ausnehmend gut. Die aus verschiedenen Gedichtbänden von Grünbein zusammengestellte Sammlung lasse die dichte Atmosphäre sich "langsam entfaltender Zustandsbeschreibungen des Erschreckens" entstehen, so der Rezensent fasziniert. Am Ende empfiehlt er die mit dem Prädikat besonders wertvoll versehene Produktion vor allem auch jenen, die "Scheu vor dem Lesen von Lyrik" haben.
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