Herausgegeben von Javier Gomez-Montero und Petra Strien. Erst in den sechziger Jahren erholte sich die Lyrik in Spanien vom Schock des Bürgerkriegs und vom Druck der alles erstickenden Franco-Diktatur. Langsam, aber unüberhörbar erhoben sich die Stimmen junger Autoren, deren Gedichte mit kraftvollen Sprachbildern ästhetische Paradigmen und ethische Grundmuster für die Lyrik unserer Gegenwart entwerfen. Heute sind diese Stimmen unverwechselbar geworden; jede einzelne kann den Status eines Klassikers der Moderne beanspruchen. Ob mit leicht zugänglicher Alltags- und Gedankenlyrik oder mit hermetischen, auf den ersten Blick schwer erschließbaren Texten: Diese Lyriker erdichten den Standort für den Menschen aufs neue - in immer wieder überraschenden Wendungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2005
Vermutlich betreiben Hispanikstudenten in Flamencoschulen mit Lorca-Versen Selbstfindung, spottet Florian Borchmeyer, doch darüberhinaus friste die spanischsprachige Lyrik hierzulande ein höchst kümmerliches Dasein. In Spanien und Lateinamerika habe die Lyrik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dagegen eine große Renaissance in Rezeption und Produktion erlebt, so dass es Borchmeyer zufolge höchste Zeit war für eine Anthologie, wie sie nun, von Javier Gomez-Montero und Petra Strien auf erfrischend unorthodoxe Weise betreut, vorliegt. Die Herausgeber hätten gut daran getan, lobt Borchmeyer, die wichtigsten spanisch-deutschen Lyrikübersetzer in ihr Unternehmen einzubeziehen, so dass wirklich eine große Stimmenvielfalt in der mit dem Jahr 1950 einsetzenden Anthologie zustande gekommen sein soll. Zwei kleine Kritikpunkte äußert der Rezensent: die Beschränkung auf Dichter des Kastilischen schließe leider die nach Francos Tod wiederaufgeblühte katalanische Dichtung aus; außerdem seien viele der vertretenen Dichter für eine "Anthologie der Gegenwart" zu alt. Sähe so die Gegenwart spanischer Lyrik aus, spöttelt Borchmeyer, dann wäre Spanien ein Geisterhaus. Immerhin lasse sich so dank der Anthologie eine lebhafte Tradition wenigstens erahnen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…