Rationale Akteure bilden das Fundament mikroökonomischer Wirtschaftstheorien sowie soziologischer Rational-Choice-Theorien. Doch wie tragfähig und widerspruchsfrei ist das Konstrukt des Akteurs? Gibt es "den" rationalen Akteur überhaupt? Die Autorin untersucht die Akteure der Theoriewelten von Neoklassik, Leonard J. Savage, Daniel Kahneman und Amos Tversky, Gary S. Becker, James S. Coleman, Douglass C. North und Siegwart Lindenberg unter der Fragestellung, wie sie jeweils ausgestattet sind und welche Faktoren Ablauf und Resultate ihrer Entscheidungen bedingen. Die Ergebnisse veranschaulicht sie grafisch. Es zeigt sich, dass jeder Akteur Inkonsistenzen aufweist, zu deren theorieimmanenter Behebung die Autorin Hinweise gibt. Zudem erweisen sich die Übereinstimmungen zwischen den Akteuren als unerwartet gering. Die Autorin diskutiert Familienähnlichkeiten, den Bedarf an einer Erweiterung des Akteursmodells und Konsequenzen für die Ökonomik.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2006
Überzeugend findet Heinz K. Stahl diese Studie über wirtschaftswissenschaftliche Akteursmodelle, die Dorothee Wolf vorgelegt hat. Ausgangspunkt der Untersuchung ist Stahl zufolge das neoklassische Modell des Homo oeconomicus, der Nutzen und Nachteil von Handlungen ständig rational abwägt. Wolf nehme jene Vertreter von Rational-choice-Theorien unter die Lupe, deren Arbeiten Antwort auf die Frage versprechen, wie ein Akteursmodell beschaffen sein muss, um eine gute Erklärung sozialwissenschaftlicher Phänomene leisten zu können. Stahl berichtet über sechs Akteursmodelle, die Wolf mit ihren exponierten Vertretern vorstellt. Neben Leonard Savage, Daniel Kahneman, Amos Tversky führt Stahl hier Gary Becker, James Coleman und Douglass North an, die Wolf allesamt recht kritisch betrachtet. Im zweiten Teil des Buches räume die Autorin dann allerdings Zweifel, ob die stark abgegraste Rational-choice-Wiese überhaupt noch neue Einsichten erlaube, restlos aus.
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