Ein großer Gesang über die Natur, ihre Schönheit und ihre Gefährdung, den Empfindungskosmos von Tier und Mensch - oszillierend zwischen den Sprachen, schwebend zwischen Tag und Nacht.Den aus der Fülle des Lebens in Finnland schöpfenden Gedichten - seiner reichen, immer gefährdeteren, bewahrungswürdigen Natur, ihrer Licht- und Dunkelheitsdramatik und ihrer Mythenwelt - wohnt eine imaginäre, bisweilen utopisch-visionäre Leuchtkraft inne. Selbst dahin, wo Dunkles vorherrscht, scheint das titelgebende Gedicht mit seiner auch bildlich zu begreifenden Entdeckung auszustrahlen: "und ja / die aussichtslosigkeit ist spiegelglatt / gebete noch so aufgeraute rutschen an ihr ab … / revontulet das polarlicht zeigt sich hier nach zeiten der verborgenheit / wir fühlen eine leib- und seelengleiche ihre leichtigkeit / erfasst von dieser nachtverwandlung / als wärn wir an das große unbegriffene lichtwerk oben angeschlossen". Kapitelnamen wie "trostung", "horch nochmal" spielen auf nur erahnbare Quellen von Licht an und verweisen indirekt auch auf die heilsame Musikalität, die Widerstandskraft und die Erlauschgabe der Poesie. Die Gedichtgruppe "geheimnisse kann man nicht auflösen" ergründet die Denkwelt eines der Dichterin nahen autistischen Menschen. Auch dort geschieht eine ganz eigene Nachtverwandlung. Umschlossen wird der Band vom in Blankversen verfassten Ergebnis eines Eintauchens in Rilkes "Achte Duineser Elegie". Ein Motivgewebe entsteht mit anderen Gedichten, die sich aus einer kontemplativen, zyklische Zeitvorstellung stärkenden Lebensweise bilden - eine Haltung, die im weiteren Sinne Erhellung bringt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.06.2026
Rezensent Björn Hayer kann sich über die Gedichte von Dorothea Grünzweig nur wundern: So viel Finsternis durchzieht die Verse der in Finnland lebenden Dichterin, die sich hier den Themen Krieg oder Klimawandel widmet - und doch sind die meisten Gedichte voller Hoffnung. Wie macht die Lyrikerin das? Indem sie sich "erfrischend unzeitgemäß" der Mystik zuwendet, etwa wenn sie Engel oder Wildgänse auftreten lässt, die Jesu Ankunft verkünden. Überhaupt geht es der Dichterin viel um Tierethik, verrät der Kritiker, der berührt liest, wei nach der blutigen Erlegung eines Rotwilds noch der "reim von weh und reh" nachklingt. Nicht zuletzt lobt Hayer Sprach- und Mitgefühl von Grünzweig.
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