Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518588482 Broschiert, 157 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Es ist die Gesellschaft, die einen Strich durch die Digitalisierung macht. Aber was bedeutet dieser Strich? Man kann ihn sehen, aber nicht lesen. Er verweist auf die bei jeder Digitalisierung analog mitlaufende und ebenso kontinuierliche wie widerständige Wirklichkeit. Gesellschaft und Bewusstsein, Körper und Geist operieren nach eigenen Regeln. Was passiert, wenn digitale Daten in eine analoge Wirklichkeit zurückgespielt werden? Dirk Baecker erprobt in seinem neuen Buch eine Theorie digitaler Medien aus sozialwissenschaftlicher Sicht. Lernende Daten und prädiktive Modelle stehen im Zentrum seines tiefschürfenden Versuchs, unsere Kommunikation mit Rechnern zu beschreiben. Im Fluchtpunkt von Baeckers Analyse steht ein Begriff der Stochastik, der aktuelle Programme der künstlichen Intelligenz ebenso erfasst wie die Gesellschaft und ihre Theorie. Stochastik ist demnach nicht nur die Lehre von Wahrscheinlichkeiten, eine Art "Theorie" der Statistik, sondern darüber hinaus eine Lehre vom Wirklichkeitsgewinn aus der Verknüpfung von Zufällen mit Zufällen. Baeckers originelle Bestandsaufnahme der Digitalisierung führt uns mitten hinein in eine Verständigung der Gesellschaft über sich selbst - und mit einer neuen, "fremden Intelligenz", die wir noch kaum begriffen haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2026
Ein starkes, theoriesattes Buch zur Digitalisierung legt Dirk Baecker hier vor, meint Rezensentin Hannah Schmidt-Ott, die gleich hinzufügt, dass die empiriefernen Ausführungen Baeckers doch eher für den inneren Kreis der Theorieinteressierten und weniger für ein breiteres Publikum interessant sein dürften. Baecker interessiert sich für den Zusammenhang zwischen Digitalem und Analogem und stellt fest, dass es notwendigerweise Übersetzungsprozesse zwischen Beidem geben muss, da digitale Technik zwar immer wichtiger wird, die Welt, in der wir leben aber gleichwohl analog bleibt. Der Luhmann-Schüler und Systemtheoretiker Baecker argumentiert, dass Digitalisierung auf die momenthafte Gleichschaltung verschiedener Systeme - u.a. Technik, Bewusstsein und Gesellschaft - angewiesen ist, um zu funktionieren. Der abstrakten Begriffsarbeit zum Trotz möchte Baecker aus seinen Überlegungen praktische Anregungen ableiten; unter anderem, liest Schmidt-Ott, sollen die meist unsichtbaren Kriterien, nach denen technologische Programme funktionieren, offengelegt werden. Das ist, schließt Schmidt-Ott, durchaus auch an andere Traditionen innerhalb der Soziologie anschlussfähig.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 13.02.2026
Rezensent Jens Balzer liest den Essay des Sozialwissenschaftlers und Luhmann-Schülers Dirk Baecker über die Digitalisierung und erkennt einen blinden Fleck. So sinnvoll es ihm erscheint, wenn der Autor das System der Digitalisierung unserem analogen Alltag gegenüberstellt und Veränderungen auf beiden Seiten konstatiert, so unzureichend findet er Baeckers Ansatz, wenn es darum geht, die Machtinteressen und -verhältnisse dahinter zu begreifen. Hier fehlt dem Systemtheoretiker das Besteck, findet Balzer. Und so gelangt der Autor auch nicht zu einer "politischen Kritik" der Digitalisierung und auch nicht zu praktikablen Lösungsvorschlägen, bemängelt Balzer.
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