Digitale Literatur

Text und Kritik. Zeitschrift für Literatur. Heft 152

Klappentext

Herausgegeben von Heinz Ludwig Arnold. Bei "Digitaler Literatur" geht es nicht um Literatur, die ins digitale Medium übertragen oder dort diskutiert wird, sondern um Literatur, die unmittelbar in und aus diesem Medium entstanden ist. Welche ästhetischen Potenziale ergeben sich dabei? Wie verändert sich der Text in dieser neuen Art von Literatur, deren Existenzgrundlage die digitale Form ist? Inwiefern ist multimediale Literatur überhaupt noch Literatur? Neben einer systematisierenden Einleitung von Roberto Simanowski, der die Phänomene digitaler Literatur vorstellt, begrifflich fasst und ihre spezifischen Eigenschaften und Probleme diskutiert, enthält das Heft Beiträge von Friedrich W. Block, Michel Chaouli, Robert Coover, Florian Cramer, Kurt Fent, Peter Gendolla, Christiane Heibach, Karin Wenz, Uwe Wirth. Eine Bibliografie sowie ein Glossarium runden das Heft ab.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.08.2002

Schon der Titel des neuen Bandes aus der Edition text + kritk macht deutlich, meint Stephan Hilpold, dass sich dessen redaktioneller Leiter und "Wortführer der Gattung", Roberto Simanowski, für einen Oberbegriff für "Literatur im Netz" oder "Netzliteratur" entschieden hat. Nun heißt das Genre also, verkündet auch der Rezensent, "Digitale Literatur". Diskutiert werden aber in diesem "teilweise" recht "spezialisierten" Band nicht die Absatzmöglichkeiten für digitale Werke, sondern deren künstlerische Ausdrucksformen, die "traditionelle Begrifflichkeiten" der Literaturwissenschaft hinter sich lassen, berichtet Hilpold. "Digitale Literatur" und ihre Theorien, das zeige dieser Sammelband, "werden langsam erwachsen". Erfreulich findet Hilpold insbesondere den Beitrag von Uwe Wirth, der den "Tod des Autors als Geburt des Editors" verkünde und damit auf eine Veränderung der Funktion des Autors und des Lesers ohne "visionäre Großspurigkeit" hinweise und so für einen "unpathetischen Umgang mit neuen Formen" plädiere.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2002

Dem "mehr oder weniger unfreiwilligen Tenor" des Bandes, dass im Fall der digitalen Literatur das Digitale letztlich immer die Literatur erschlägt, will Sebastian Domsch nicht folgen, nicht, ohne erst die angehängte Linkliste herzunehmen und die Probe aufs Exempel zu machen. Vielleicht, so vermutet er, kommt bei diesem Reduktionsprozess ja doch noch etwas anderes heraus: eine neue Form von Kunst gar. Wie dem auch sei, der Band selbst, so Domsch, trete den Gegenbeweis zur literarischen Nullpunkt-These nicht an. Dass die einzelnen Beiträge sich, bei allem Einblick in die Welt der digitalen Literatur, den sie gewähren, auch nicht zu einem Überblick vereinen wollen, lastet er dem Unternehmen gleichfalls an: Begriffe verschwimmen oder werden hermetisch, spezifische Aspekte stehen im Vordergrund, "die auch mangels konkreter Beispiele ohne Vorkenntnisse kaum nachzuvollziehen sind".
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