Nach dem frühen WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft waren für viele Kritiker die Schuldigen rasch gefunden: Mesut Özil und Ilkay Gündogan, die sich im Vorfeld der WM mit dem despotischen türkischen Staatspräsidenten Erdogan hatten ablichten lassen, wurden erst zum Sündenbock abgestempelt, dann zur Zielscheibe übelster Beschimpfungen.
Dietrich Schulze-Marmeling analysiert in diesem Buch das sportliche Scheitern der Nationalelf, die Politik des DFB in der Foto-Affäre sowie die Frage, wie aus einer berechtigten Kritik eine rassistische Kampagne wurde. Den Anhang des Bandes bilden Beiträge von Diethelm Blecking, Robert Claus und Ilkays Bruder Ilker Gündogan zur langen Tradition der multiethnischen Nationalmannschaften in Deutschland, über Fußballer als "politische Botschafter" wider Willen und die Funktionsweise von Rassismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.08.2018
Rezensent Thomas Kopietz hat Dietrich Schulze-Marmelings Buch über den "Fall Özil" mit Gewinn gelesen. Ohne Polemik, aber doch Stellung beziehend denkt der Autor hier nicht nur über die aktuelle Debatte nach, sondern äußert sich auch zu "Fußball, Deutschtürken, Integration und Rassismus" im Allgemeinen, erzählt der Kritiker. Dass auch Verbandsstrukturen und Personen, etwa Lothar Matthäus' Treffen mit Waldimir Putin oder Ramsan Kadyrov zur Sprache kommen, rechnet Kopietz hoch an.
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