Dieter Wellershoff

Der lange Weg zum Anfang

Zeitgeschichte, Lebensgeschichte, Literatur
Cover: Der lange Weg zum Anfang
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2007
ISBN 9783462037654
Gebunden, 336 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Der Band versammelt ausgewählte Äußerungen eines aufmerksamen und kritischen Zeitgenossen, der sich mit Gegenwart und Vergangenheit, Architektur und Literatur, Politik und Moral, Krieg und Gesellschaft, Liebe und Tod eindringlich und anschaulich auseinandersetzt. Dieter Wellershoff stellt seinen Werdegang als Schriftsteller neben seine Arbeit als Lektor, seine Kriegserfahrung neben sein Studium in der jungen Bundesrepublik, seine Auseinandersetzung mit dem Christentum neben seine Haltung zum Irak-Krieg und seine Beschäftigung mit der Kölner Stadtgeschichte neben die Beschreibung gesamtgesellschaftlicher Wandlungen. Und eines greift ins andere, so dass ein aufeinander bezogenes Ganzes entsteht, das zeigt, wie die Zeitgeschichte die Lebensgeschichte prägt und das eigene Erleben in Literatur mündet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.2007

"Ungemein spannend" findet Gisa Funck die hier versammelten autobiografisch gefärbten Texte von Dieter Wellershoff. Das Buch, das auf sie wie ein Spiegel der alten Bundesrepublik wirkt, liest sie als Fortsetzung von Wellershoffs "Arbeit des Lebens" und selbstreflexives Pendant zu den fiktionalen Arbeiten des Autors. Hier wie dort trifft Funck auf einen "nüchtern reflektierenden Beobachter", der angenehmerweise, wie die Rezensentin zu verstehen gibt, nicht moralisiert, sondern den Istzustand zeigt und ganz "lebenspraktisch" orientiert ist. Dies mitunter, wie bei den Aufzeichnungen über die Mutter, so erklärt die Rezensentin, um Charaktere zu erproben, die später in Romanen und Erzählungen auftauchen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.04.2007

"Zeitgeschichte, Lebensgeschichte, Literatur", schreibt Rezensentin Tanya Lieske äußerst angeregt über die hier versammelten Essays, Dankesreden und Interviews, die ihren Informationen zufolge in den Jahren 1998 bis 2006 entstanden sind; in den Jahren also, als Dieter Wellershoff seine letzten drei Bücher schrieb. Lieske fand es daher auch "äußerst reizvoll", sich beim Lesen der Texte dieses Bandes den "gedanklichen Raum" zu rekonstruieren, in dem sie geschrieben wurden: eben das Begehren und die "tektonischen Verschiebungen", dir durch seine Unterdrückung entstehen und von dem auch die Romane handeln. Besonders von den "zerstörerischen und schöpferischen Potenzialen des Verdrängens" nämlich sei in diesen von Wellershoff selbst als "Gelegenheitstexte" bezeichneten Stücken viel die Rede. Die größte Tiefenschärfe wird ihrer Ansicht nach in einem Gespräch mit Daniel Lenz und Eric Pütz erreicht, in dem die Rezensentin eine veritable "Poetik in nuce" erkennt. Spannend findet sie aber auch Wellershoffs Herausarbeitungen der überbiografischen Aspekte des eigenen Lebenslaufs, die für sie besonders an der sechzigjährigen Beschäftigung mit Gottfried Benn plastisch werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.03.2007

Rezensent Michael Braun würdigt mit den Qualitäten der vorliegenden Essaysammlung zugleich das Lebenswerk des Dieter Wellershof, das sich durch eine einzigartige Unabhängigkeit vom Zeitgeist auszeichne. Hinzu kämen für den Schriftsteller wie für die Person Wellershof eine extreme Risikobereitschaft, beispielsweise, wenn er als 30-Jähriger mit Familie und wenig Geld seine legendäre Benn-Studie verfasst habe, die, hebt der Rezensent hervor, auch heute noch State of the Art darstelle. Hierher rühre wohl auch, mutmaßt der Rezensent, eine gewisse Unduldsamkeit des Autors gegenüber der "Larmoyanz" heutiger Schriftsteller. Das sei manchmal ungerecht, aber immer konsequenter Wellershof, wie er seit über vierzig Jahren für eine "gefährliche" Literatur streite. "Belanglos" werde Literatur für Dieter Wellershof, wenn sie sich an die tagesaktuellen Bedürfnisse des Literaturmarktes anpasse und damit verkaufe. Bemerkenswert aus Sicht des Rezensenten ist auch eine Modifikation seiner eigenen Auffassung Gottfried Benns, in dem er nur noch den "Bußprediger alten Stils" zu sehen vermöge. Einmal mehr zeige sich hier die "intellektuelle Unabhängigkeit" von Dieter Wellershof.