Dieter M. Gräf

Buch Vier

Cover: Buch Vier
Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt 2008
ISBN 9783627001551
Gebunden, 105 Seiten, 15,90 EUR

Klappentext

"Buch Vier", der vierte Gedichtband von Dieter M. Gräf, beginnt im September 2001 inmitten eines Taifuns in der taiwanesischen Metropole Taipeh, mit den CNN-Bildern von 9/11 im Hintergrund, und endet in New York, vor Ground Zero. Der traumatische Beginn des neuen Jahrhunderts zieht sich durch diesen Band, der Poesie als zeitgenössische Kunstform positioniert. In vier Kapiteln, zwischen dem südostasiatischen Auftakt und dem amerikanischen Finale, wird die alte Welt - vornehmlich in Venedig, Rom und Vezelay - erkundet. Immer wieder geht es dabei auch um den Tod, von dem aus ein Leben neu ausgeleuchtet wird. So begegnet man dem Kunsthistoriker Winckelmann und dem Filmemacher Pasolini, dem linksradikalen Verleger Feltrinelli oder dem faschistischen Diktator Mussolini sowie der Black-Muslim-Ikone Malcolm X. Im Umgang mit Leitmotiven, Metaphernflächen, Bildclustern ist "Buch Vier" ein sprachästhetisches Statement, das aus Orten Strukturen entwickelt, und ein Versuch, das deutschsprachige Gegenwartsgedicht zu hinterfragen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.07.2009

Martin Zingg verschafft sich mittels dreier Gedichtbände einen Überblick über neue deutsche Lyrik. "Buch Vier" von Dieter M. Gräf zeigt nicht nur den vierten Gedichtband des Autors an, er verweist auch, wie ein Gedicht ausführt, auf den Tod, da im Chinesischen für Tod und Vier das gleiche Wort gebraucht wird, wie der Rezensent wissen lässt. Überhaupt sind "Tod und Gewalt" in den sehr genau aufeinander abgestimmten Gedichten häufig zu finden und sie rekurrieren wiederholt auf geschichtliche Ereignisse oder führen historische Figuren als Gewährsleute auf, so der Rezensent. Dass den Gedichten ein umfangreicher Anmerkungsapparat beigegeben ist, macht nicht nur die Kommentarbedürftigkeit von sowohl Gegenwart als auch Vergangenheit deutlich, er belegt mit einer "seltsam ironischen Note" die historischen Sedimente, die Gräfs Gedichte grundieren, wie Zingg ausführt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.01.2009

Viel Rätsel und nichts dahinter. Tobias Lehmkuhls Urteil über diesen Autor und seine Lyrik ist vernichtend. Weder die Manierismen Dieter M. Gräfs (äußerste Verknappung und Hermetik) noch das wenig originelle Thema "Tod", das der Band umkreist, vermögen ihn zu begeistern. Die Manieriertheit der Texte immerhin ist außerordentlich. Trotz ihrer Knappheit verursachen sie dem Rezensenten Völlegefühle. Übrigens scheint der Autor seinen Versen selbst nicht allzu viel zuzutrauen. Weshalb sonst, gibt Lehmkuhl zu bedenken, hätte er sie wohl mit einem derart "wuchernden" Kommentar versehen?
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.12.2008

Dieter M. Gräfs Verfahren, die unterschiedlichsten Sprechformen, Sprachstile und Textsorten zusammenzubringen, hat ihn, sogar in radikalisierter Form, auch in seinem vierten Gedichtband geleitet und erzeugt einmal mehr "Hochspannung und verbale Reibungshitze", stellt ein eingenommener Michael Braun fest. Ein Anhang kläre darüber auf, dass sich der Titel nicht etwa auf den schnöden Umstand bezieht, dass es sich bei dem Band um Gräfs viertes Gedichtbuch handelt, sondern dass sich die Ziffer auf die enge Klangverwandtschaft der chinesischen Wörter "Tod" und "Vier" bezieht. Und so wundert sich der Rezensent nicht, dass der Tod auch im Zentrum der Gedichte steht, sei es, wenn ein Taifun in Taipeh oder der Anschlag vom 11. September thematisiert wird. Braun ist von der Einarbeitung zeitgeschichtlicher Themen in "komplexe Texturen" beeindruckt und mitunter will es ihm scheinen, als sei hier ein "lyrischer Widergänger" Rolf Dieter Brinkmanns am Werk. Wenn Gräfs Texte zum Ende des Bandes hin immer kryptischer werden, mit typographischen Formen experimentieren und das letzte Gedicht gar von einem Strichcode flankiert wird, führt das für den offenbar ziemlich faszinierten Rezensenten nicht zuletzt eindrücklich die "Koordinaten der Weltwahrnehmung" vor.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2008

Durchaus gemischte Gefühle hat Dieter M. Gräfs neuer Gedichtband "Buch Vier" bei Rezensent Harald Hartung ausgelöst. Er beschreibt das Werk als ein "Stück Programmmusik" und als "global gedachte lyrische Reportage", wie Gedichte über einen Taifun in Taipeh oder über den 11. September nahelegen. Gleichwohl bleibe die alte Welt "Zentrum seiner Bilder und Ideen". Thematisch kreisen die Stücke Hartung zufolge vor allem um Tod und Gewalt. Besonders hebt er ein Gedicht über die heilige Elisabeth hervor, das für ihn Gräfs Virtuosität bezeugt. Andererseits findet er in dem Band immer wieder Stücke, die ihn "klanglich" und "bildlich" nicht überzeugen, die auf teilweise typographische Effekte setzten, ohne poetisch zu sein. Kritisch äußert er sich in diesem Zusammenhang über das Gedicht, das den Einsturz der Twin Towers in einer Art typographischer Nachahmung vergegenwärtigen will, sieht er hier doch ein Grauen, "das sich solchen Sprachexperimenten entzieht".
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