Jeder Vers dieses gewaltigen Romans rankt sich um ein einziges Thema: die Liebe. Gottfried erzählt von der idealen Liebe zwischen Tristan und Isolde und von ihrer Leidenschaft, die sich über alle gesellschaftlichen Normen hinwegsetzt. In einer Sprache voll betörender Musikalität trägt er die bittersüße Geschichte von Erfüllung und Verzicht, Eifersucht und Versuchung, Leben und Tod vor. Dieter Kühn hat den grandiosen Versroman von Gottfried von Straßburg versgetreu ins Neuhochdeutsche übertragen.
Die "große Liebe zwischen Tristan und Isolde" wie sie Gottfried von Straßburg erzählt hat, feiert Dieter Kühn in seinem dritten Buch des Mittelalter-Quartetts. Für seine "Zeitreise ins Straßburg der Gottfried-Zeit", wählt Kühn einen "Übersetzungsweg", für den Rezensent Dieter Borchmeyer nicht nur lobende Worte übrig hat. Kühn will sich zwischen Authentizität und Aktualität "hindurchschlängeln" und verwendet deshalb sowohl das mittelalterliche Wort als auch zeitgemäße Ausdrücke. Kleine "Abstürze" sind da "unvermeidlich", weiß der Rezensent, der bisweilen deshalb "an der Sensibilität" des Übersetzers zweifeln muss. Doch trotz der gelegentlich auftauchenden grammatikalisch "schiefen" oder "vulgärsprachlichen" Verkürzungen will er die Übersetzung nicht "madig machen". Denn Kühn habe mit seinem Mittelalter-Quartett der Dichtung dieser Zeit wieder ins Bewusstsein der Leser gebracht. Deshalb ist seine Übersetzung trotz mancher Fehler "ein großer Wurf".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Das Erstaunlichste an Dieter Kühns mittelalterlichen Werken ist ihr anhaltender Erfolg, wundert sich Hans-Herbert Räkel. Offensichtlich füllt Kühn mit seinen Büchern ("Ich, Wolkenstein"; "Neidhart von dem Reuental"; "Der Parzival des Wolfram von Eschenbach") eine Wissens- und Marktlücke, erkennt Räkel, welche die Mediävistik nicht zu stopfen bereit oder in der Lage ist. Denn Kühn "gewinnt eine lebendige Vorstellung", gewinnt sie mit dem klassischen Instrumentarium des Dichters, mit schöpferischer Phantasie in einem sogenannten "Vor-Buch", das mit fiktionalen Mitteln die Welt Gottfrieds im mittelalterlichen Strassburg erkundet. Über die Lücken im historisch konstruierten Bild täuscht Kühn nicht hinweg, lobt der Rezensent, sondern er macht sie fühlbar. Daneben aber steht der eigentliche Text von "Tristan und Isolde", der immerhin 500 Seiten umfasst und von Kühn sorgfältig übersetzt wurde. Dankbar vermerkt der Rezensent, dass Kühn dabei jeden altertümelnden Anklang vermieden hat - zu Zeiten Gottfrieds habe der Tristan ja auch nicht altertümelnd geklungen, sondern hochmodern.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Daniel Kehlmann: Afrika Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll:… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…