Heinz Kühn lebt in der Erinnerung vieler Menschen als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen weiter. Zwölf Jahre - von 1966 bis 1978 - regierte er das größte deutsche Bundesland. Unter seiner Führung wurden in Nordrhein-Westfalen Reformen in bisher unbekanntem Ausmaß durchgeführt. Aber nur wenige wissen, dass Kühn seit seinem 16. Lebensjahr politisch aktiv und schon vor 1933 Mitglied der SPD war. Während des 3. Reiches ging er ins Exil und machte nach 1945 Karriere als Chefredakteur und Parlamentarier in Landtag, Bundestag und Europarat. Als sprachgewandter Reformer und Intellektueller, als Medien-, Kultur- und Außenpolitiker war er für seine Partei unentbehrlich. In den 1970er Jahren stieg er dort zum stellvertretenden Parteivorsitzenden auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2002
Mehr Referat als Kritik stellt Rudolf Morseys Besprechung der Biographie des ehemaligen Ministerpräsidenten von NRW und SPD-Politikers Heinz Kühn dar. Die Kritik erschöpft sich in dem Hinweis, Düding habe gut gearbeitet, mit "kritischer Sympathie" und dem erforderlichen Abstand, alles sei gut belegt und ebenso gut lesbar; die einzig negative Anmerkung bezieht sich auf den Verzicht des Autors auf eine Gesamtwürdigung der Lebens- und Wirkungsgeschichte des SPD-Politikers, der nicht nur als Landesvater, sondern für die SPD insgesamt und die politische Kultur der BRD eine wichtige Rolle gespielt hat, wohingegen die im Anhang abgedruckten 52 Briefe Kühns nach Morsey verzichtbar gewesen wären. Heutzutage sei das Andenken an Kühn verblasst, meint der Rezensent, und deswegen an der Zeit, die Karriere dieses "undogmatischen Parteisoldaten", der es aus einer Arbeiterfamilie zum Parteiintellektuellen gebracht hatte, Revue passieren zu lassen und damit ein Stück Landesgeschichte NRWs aufzuarbeiten.
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