Klappentext
Nach einer Krebsdiagnose begibt sich der Erzähler auf eine Reise durch Zeit und Raum. Weit über das eigene Erinnern hinaus spürt er seiner Familiengeschichte nach bis in die feuchten, verwinkelten Gassen Quedlinburgs zur Zeit der Weimarer Republik, wo die Mutter unwissend einer glücklichen Zukunft entgegen hofft, und in die weiten Landschaften des Niederrheins, in denen der Vater früh angesteckt vom Nazivirus den Krieg spielt, der ihn später zum Krüppel machen wird. Bongartz' Roman verwebt persönliche Schicksale mit der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und zeigt die Auswirkungen von Gewalt und Totalitarismus auf eine Familie über mehrere Generationen hinweg. Wir erleben eine große Erzählung von Träumen und Hoffnungen, von Verlust, Scham und Verdrängung.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.04.2026
Rezensent Uli Kreikebaum spricht eine warme Empfehlung für den unterm Radar fliegenden Roman von Dieter Bongartz aus. Denn dass den Autor, der eher als Drehbuchautor und Filmemacher tätig war, "keiner kennt" und das Buch ein Ladenhüter ist, mindert nicht die hohe Qualität, meint Kreikebaum: nach einem etwas sperrigen Anfang, der diverse Textformen mischt und in Ironie und "konsequenter Mehrdeutigkeit" verbleibt, tut sich für den Kritiker ein äußerst bannender Gedankenstrom auf, der die Familiengeschichte und die eigene politische Haltung befragt und dabei "niemanden schont" - weder den aus dem Krieg heimgekehrten und verblendeten Großvater, noch sich selbst, staunt Kreikebaum. An den Kragen geht es dabei auch, wie typisch für Bongartz' gesamtes Schaffen, bürgerlichen Vorstellungen vom guten Leben. Wie Bongartz diese Ebenen in seinem "zarten und brutalen" Text verbindet und dabei etwas ganz Neues, "in seinem Murmeln und Glucksen so nie Gehörtes" entstehen lässt, ist für den Kritiker absolut lesenswert. Eine ehrwürdige Leistung des März-Verlegers und ehemaligen Bongartz-Schülers Richard Stoiber, applaudiert Kriekebaum abschließend.
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