Bearbeitet von Klaus-Peter Friedrich. Das Generalgouvernement, der östliche Teil des deutsch besetzten Polen, war der zentrale Tatort des Holocaust. Hier lebten nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion im Sommer 1941 etwa 2,3 Millionen Juden - meist unter katastrophalen Bedingungen in Gettos oder Zwangsarbeitslagern. Nach der Entscheidung, alle europäischen Juden zu töten, errichteten die deutschen Besatzer seit Anfang 1942 die vier Vernichtungslager der "Aktion Reinhardt", in deren Gaskammern bis Herbst 1943 fast sämtliche Bewohner der Gettos im Generalgouvernement sowie abertausende Juden aus dem übrigen Europa ermordet wurden. Der Band dokumentiert nicht nur Vorbereitung, Planung und Durchführung der Verbrechen, sondern auch den individuellen und kollektiven jüdischen Widerstand in Gettos und Lagern sowie die vielfältigen Reaktionen bei der polnischen Bevölkerung und im Ausland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 06.02.2014
Arno Widmann musste sich seine Lektüre des neunten Bandes von Klaus Peter Friedrichs Quellenedition zur "Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland" in einstündigen Rationen einteilen, länger konnte und wollte er dem nüchtern dokumentierten Massenmord nicht folgen. Einmal mehr staunt der Rezensent, dass einige der Leute, deren Handlungen und Einstellungen hier ausführlich nachzuvollziehen sind, nach dem Krieg umgehend wieder in verantwortungsvolle Position kamen, so zum Beispiel Elfriede Fliethmann als Pädagogin in West-Berlin, berichtet Widmann.
Der nun vorliegende neunte Band der auf 16 Bände angelegten Quellenedition über die "Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert für Stefan Reinecke eindringlich die Vernichtung der Juden in Polen zwischen 1941 und 1945. Er hebt hervor, dass die knapp 300 chronologisch geordneten Dokumente die Perspektive von Täter, Opfern, Zuschauern aufzeigen. Im Mittelpunkt des Bandes aber sieht er die Dokumentation der Geschehnisse in den Ghettos und den Versuch der Verfolgten, die Ereignisse zu verstehen. Deutlich wird Reinecke zufolge, dass der jüdische und polnische Untergrund die anvisierte Vernichtung anhand von Berichten Überlebender, denen die Flucht aus Todeslagern gelungen war, bald zutreffend und genau erfassen, aber wenig dagegen tun konnte.
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