Herausgegeben von Prof. em. Dr. Jutta Ströter-Bender, Dr. Larissa Eikermann und Dr. Susanne Völker. Kaum bekannt ist, dass die Brüder Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm 1786-1859) schon seit frühester Kindheit intensiv gezeichnet haben. Der Band widmet sich ihren bisher unerforschten Kinder- und Jugendzeichnungen sowie denen ihrer Geschwister Carl, Charlotte, Ludwig Emil Grimm und deren Nachkommen. Es handelt sich um Skizzenbücher, Zeichenblätter und kleine Aquarelle, unter denen sich auch außergewöhnliche Naturstudien befinden. Einzelstudien machen diese bisher kaum erschlossenen Dokumente bürgerlicher Kinder- und Jugendkultur aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in ihren Zusammenhängen zugänglich und erschließen zugleich die Archivbestände der Grimm-Sammlung der Stadt Kassel. Mit Beiträgen von Kunibert Bering, Marina Ebel, Larissa Eikermann, Anika Fernandez Gonzalo, Sonja Hanschke, Juliane Kurz, Anika Schedwiy, Jutta Ströter-Bender und Susanne Völker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2025
Auch wenn Rezensent Tilman Spreckelsen kein Riesenfan der Gebrüder Grimm zu sein scheint, so findet er doch interessante neue Aspekte ihres Schaffens in diesem Band, der Kinder- und Jugendzeichnungen versammelt - und zwar nicht nur von Wilhelm und Jacob Grimm, sondern auch von ihren Geschwistern sowie der Folgegeneration. Die zeichnerische statt der schriftstellerischen Seite zu beleuchten, findet Spreckelsen an sich schon einen erfrischenden Ansatz und lobt auch im Speziellen die Zusammenstellung des Archivmaterials von Seiten der Herausgeberinnen: "Besonders reizvoll" findet er etwa den Direktvergleich zweier Zeichnungen der beiden Brüder, die jeweils eine Kopie derselben Vorlage (der Enthauptung von Ludwig XVI.) gegenüberstellen und sich im Original in zwei verschiedenen Archiven befinden, weiß der Kritiker. Auch, dass eben bei Weitem nicht nur Jacob und Wilhelm, sondern die gesamte Familie Grimm anscheinend enorm zeichnerisch begabt war, lernt Spreckelsen aus dem Band - besonders beeindruckt hat ihn hier die Zeichnung eines Blitzschlags von ihrem kleinen Bruder Ludwig Emil, mit deren Expressivität die beflissene "Sammel- und Ordnungsarbeit" die beiden berühmteren Brüder für den Kritiker fast nicht mithalten kann.
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