Detlef Horster

Was soll ich tun?

Moral im 21. Jahrhundert
Reclam Verlag, Leipzig 2004
ISBN 9783379201117
Broschiert, 149 Seiten, 9,90 EUR

Klappentext

Welche Konsequenzen hat der Bedeutungsverlust des christlich geprägten Moralbegriffs? Lassen sich in der modernen Gesellschaft noch moralische Regeln mit universaler Geltung finden, die für alle verbindlich und gültig sind? Auf diese höchstaktuellen Fragen versucht der Sozialphilosoph Detlef Horster eine Antwort zu geben. Er entwirft eine Theorie, die nah am Alltag mit seinen moralischen Fragen, Problemen und Entscheidungszwängen angesiedelt ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.12.2004

Ralf Konersmann ist etwas irritiert. Detlef Horster wolle also Kants Frage - "Was soll ich tun?" - beantworten. Und zieht ein Kaninchen aus dem Hut, mit einem Gestus, als wäre das ein ganz neuer Trick, schimpft Konersmann, der die Argumentation so zusammenfasst: "Wo, wie beim Menschen, Instinkte fehlen, springen moralische Regeln ein, die sich, sofern die moralische Entwicklung gelingt, reflektieren und günstigenfalls bejahen lassen." Ein "moralischer Realismus" also: Der gesunde Menschenverstand bewahrt Werte, die aus dem Christentum stammen, und darauf kann man bauen. Doch Moment mal: Was ist denn, fragt der Rezensent baff, mit den Menschen, die mit den Christentum nichts am Hut haben? Und überhaupt: Kann man denn christliche Werte einfach als ethische Normen interpretieren? Vor allem aber: Was ist mit der "Eigenständigkeit und Legitimität der Neuzeit"? Aber wenn Horster meint, Kants Frage beantwortet zu haben ...
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Um dem Vorwurf der Wirklichkeitsferne entgegenzutreten, hat der Sozialphilosoph Detlef Horster sich entschieden, seinen moralischen Überlegungen Bodenhaftung zu verleihen, indem er sie aus "moralischen Alltagskonflikten" heraus entwickelt. Wie Rezensent Ludger Heidbrink darlegt, argumentiert Horster aus der Position des "moralischen Realismus", nach dem moralisches Handeln nicht der subjektiven Einschätzung, sondern "objektiven Gründen" unterliegt. Dahingehend interpretiere Horster auch den "Übergang von der christlichen Gemeinschaftsmoral zur individualisierten Gesellschaftsethik" nicht als Verschwinden von bindenden Handlungsmaximen, sondern als deren verstärkte "Rationalisierung". Der geläufigen funktionalen Moralbegründung stelle Horster eine kognitivistische hinzu, die von allgemeingültigen Geboten ausgehe, die aber auch die Notwendigkeit "zusätzlicher Stützen" beinhalte. Überzeugt hat dieser Ansatz den Rezensenten nicht. Denn so klar der abgesteckte theoretische Rahmen auch ist, schreibt er, "so unklar ist das Ergebnis". Zum einen breche das Buch so schlagartig ab, "als wäre das letzte Kapitel beim Druck vergessen worden". Und zum anderen vermisst der Rezensent eine Beschäftigung mit sich widersprechenden Handlungsgründen sowie die Erörterung einer kulturellen Prägung moralischer Gebote.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2004

Gustav Falke kleidet seinen ziemlich umfassenden Verriss dieses Versuchs von Detlef Horster, auf die Kritik an seinem Entwurf zu einer "postchristlichen Moral" zu antworten, in vergleichsweise höfliche Formeln: "Da geht einiges durcheinander" heißt es da etwa und - schon etwas deutlicher - "Horster hat einen unsinnigen Begriff von Begründung". Oder dass das von Horster hier nun versprochene "Hinanrücken an den moralischen Alltag bloßes Programm" bleibe, und dass Horster dort, wo wirklich ein "alternatives Begründungsprogramm" für moralisches Handeln zu suchen wäre, nämlich "in einer Theorie moralischer Gefühle", einfach abbreche. Außerdem ist Falke aufgefallen, dass Horster, der die mittelalterliche Moral als in Traditionen befangen beschreibe, hier selbst noch in einfachen Deduktionen aus - wohl systemtheoretischen - Prinzipien befangen sei. Das größte Problem hatte Falke aber wohl damit: "Horster sagt uns zu allem seine Meinung. Man kann diese Meinung teilen und das Resultat dennoch unersprießlich finden." Zumindest die zitierte Zurückhaltung Horsters im Hinblick auf eine "Theorie moralischer Gefühle" könnte man aber wohl auch sympathisch finden, da es sich dabei "um einen komplexen Zusammenhang" handle, der "bislang erst rudimentär erforscht" sei.
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