Aus dem Englischen von Barbara Schaden. Wenn Menschen so viel unterwegs sind, dass sie bei der Frage nach ihrer Herkunft erstmal lange nachdenken oder am Flughafen vergessen, ob sie auf die Ankunfts- oder Abflugsanzeige schauen müssen, dann sind sie entweder überall zu Hause oder nirgendwo. Unterwegssein heißt, vor Beziehungen auf der Flucht zu sein oder beim Kennenlernen schon an den Abschied zu denken und gar nicht erst hinter der coolen Fassade hervorzukriechen. Inmitten eines unaufgeregten und oft witzigen Geplänkels tut sich stets unmerklich ein Graben auf, über den der Leser jedoch leicht hinüberhüpfen kann, denn die entscheidenden Informationen stehen bei Deborah Levy immer wohldosiert zwischen den Zeilen. Es liegt an uns, sie zu entziffern.
Gut der Gegenwart abgeguckt scheinen die Erzählungen von Deborah Levy der Rezensentin Britta Heidemann. Und weil Levy vom Theater kommt, kann sie ihren den Abflugbereichen der Airports der Welt heimatlich verbundenen Figuren auch die passenden Dialoge in den Mund legen, erklärt Heidemann. Die Genauigkeit und Schlagkraft der Szenen und die Tatsache, dass hinter den vielfliegenden und die Partner wie Flugzeuge und Orte wechselnden Figuren noch etwas anderes, Diffuses, Dunkles lauert, Dramen, Psychosen, wie Heidemann mutmaßt, machen die Texte für die Rezensentin erkundenswert.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 01.10.2014
Auf gewisse Weise erinnern die Kurzgeschichten in "Black Vodka" Andreas Schäfer an ein anderes Buch von Deborah Levy, ihren Roman "Heim schwimmen". Denn auch in diesem war etwas erschienen, das nicht von dieser Welt zu sein schien und hatte den Alltag durcheinandergewirbelt, berichtet Schäfer. In den Kurzgeschichten wandern Erinnerungen von einem Menschen zum anderen, verwandeln OPs gleich das ganze Wesen, entdeckt ein Buckliger unter einem Teppich verwunschene Pilzlandschaften, fasst der Rezensent zusammen. Meist versuchen Levys Figuren ihre "existenzielle Verlorenheit" dann mit Sex zu beruhigen - was natürlich selten gelingt, verrät Schäfer.
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