David Vann

Goat Mountain

Roman
Cover: Goat Mountain
Suhrkamp Verlag, Berlin 2014
ISBN 9783518424551
Gebunden, 272 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. Etwas Besonderes soll er werden, der erste richtige Jagdausflug des elfjährigen Jungen mit seinem Vater, seinem Großvater und einem Freund des Vaters. In Vorfreude darauf, seinen ersten Hirsch zu schießen, bricht er mit den Männern auf. Als sie das Jagdrevier der Familie erreichen, sehen sie in der Ferne einen Wilderer. Der Vater lässt den Jungen durchs Zielfernrohr seines Jagdgewehrs auf den Eindringling blicken doch statt nur zu beobachten, drückt er ab. Und wirkt dabei befremdlich unberührt. Bestürzung über die eigene Tat, Tränen oder Reue bleiben aus. Ist dem Jungen die Tragweite seiner Tat nicht bewusst? Hat er kein Mitgefühl? Und was soll mit der Leiche geschehen?

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 27.12.2014

Nichts für Sensibelchen, warnt uns Rainer Moritz vor David Vanns neuem Roman. Der Rückblick der Hauptfigur auf eine kalifornische Kindheit Ende der 70er und eine Familientragödie nach einem Jagdunfall in den Bergen scheint Moritz so düster wie realistisch. Doch halt, meint er, was er hier liest, hat für ihn doch mehr mit Urängsten und -trieben zu tun. Die Bilder im Text bekommt er jedenfalls so leicht nicht mehr aus dem Kopf. Und Vanns karge Sprache tut das Ihre dazu. Bei all dem hätte sich der Autor die Bibelanspielungen allerdings locker sparen können, findet der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.10.2014

Gewalt und Krisen waren schon immer die Themen von David Vann, weiß Martin Zähringer und findet es daher ganz folgerichtig, dass sich der amerikanische Autor auch in "Goat Mountain" mit "Jagdtrieb und Mordlust" auseinandersetzt. Sehr subtil verbinde er dabei die Erinnerungen eines Ich-Erzählers mit dem Jagdausflug eines 11-Jährigen, der vom perfekten Moment des Schießens träumt, aber statt dessen einen Wilderer erschießt und einen Hirsch elendig krepieren lässt. Ziemlich kunstvoll findet Zähringer das dramatisch aufgebaut, einleuchtend auch die eingebauten Reflexionen zu Schuld und Tragik und der scheinbaren Sinngebung durch das Ritual. Explizit hebt er auch die Übersetzung Miriam Mandelkows hervor, die Vanns Eloquenz und Präzision hervorragend erfasse.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2014

David Vann kommt trotz offensichtlicher Anstrengungen von dem poetischen Pathos der Jagd und dem "Töten als Urgund des Lebens" nicht los, die den Boden seines Romans "Goat Mountain" tränken, bedauert Rezensentin Ina Hartwig. Ein Junge geht mit seinem Vater, seinem Großvater und einem Freund der Familie auf die Jagd, ein Initiationsritus, den die Familie aus alter Cherokee-Tradition noch pflegt, auch wenn von dieser Tradition sonst nicht mehr viel übrig sein mag, berichtet die Rezensentin. Sie stoßen auf einen Wilderer, den der Junge erschießt, ohne so recht zu wissen, was er da tut - es schließt sich ein moralisches Ringen der Älteren an, das von biblischen Anspielungen und Zitaten nur so wimmelt, aber auch die "Sache mit Jesus", wie es im Buch heißt, kann das "Männlichkeitspathos" nicht auslöschen, erklärt Hartwig. Unglaublich stark hingegen ist die psychologischen Entwicklung des Jungen, lobt die Rezensentin: erst, als er einen Hirsch so unglücklich anschießt, dass das Tier vor seinen Augen leidend verreckt, begreift der Junge, was es hieß, den Wilderer zu töten, und erst dann fühlt er ganz langsam die Schuld, verrät Hartwig.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.08.2014

Christoph Schröder verpasst David Vanns "Goat Mountain" einen saftigen Verriss: der Autor offenbare sich als "trashiger Pathetiker", die Geschichte über Sohn, Vater und Großvater in der Wildnis sei eine "eintönige Abfolge von Gewaltexzessen" und Vanns "unseliger Hang zur Selbstinterpretation" verdoppele unnötig die Anspielungen auf Bibelpassagen, die der Autor in seine Geschichte einbindet. Das Buch ist ein "archaischer Knallfrosch" ohne jede Ironie, findet der Rezensent, der andernorts herangezogene Vergleiche mit Cormac McCarthy nicht nachvollziehbar findet. Schröder hofft, dass Vann mit seinem nächsten Buch wieder Anschluss an "Im Namen des Vaters" findet, das hatte ihm entschieden besser gefallen.
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