Zum Trotz
Erkundung einer zwiespältigen Eigenschaft

Residenz Verlag, Salzburg 2025
ISBN
9783701736355
Broschiert, 160 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Trotzig ist, wer, womöglich gegen bessere Einsicht, an etwas Unvernünftigem festhält. Man verbindet Trotz mit Eigensinn, ja Sturheit, zum anderen ist er eine Bedingung des Widerstands: Wer jemandem trotzt, der widersetzt sich, mitunter auch einer Übermacht. In ihrem Essay befasst sich Daniela Strigl mit historischen und literarischen Phänomenen des Aufbegehrens gegen die Obrigkeit. Mag der Querulant einen üblen Ruf genießen und der "Querdenker" jüngst in Verruf geraten sein, so nötigt uns der Querkopf doch nach wie vor Respekt ab. In seiner weiblichen Ausprägung galt er lange als besondere Provokation. Doch macht all das den Trotz schon zur Tugend? Und ist Kunst in einer feindlichen Umgebung nicht auf Trotz angewiesen?
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.09.2025
Kluge Gedanken zum Trotz findet Rezensent Holger Heimann in diesem Buch. Laut der Literaturkritikerin Daniela Strigl ist der Trotz nicht etwas, das in der kindlichen Entwicklung auftaucht und idealerweise überwunden werden soll, sondern eine ambivalente Sache, die viele Spuren hinterlassen hat, auch in Kunst und Geschichte. Insbesondere künstlerischen, ganz besonders literarischen Trotzdarstellungen widmet sie sich, lesen wir, in diesem Buch, Antigone kommt vor, Scorseses Taxi Driver und, zentral, Michael Kohlhaas, Kleists monumentaler Trotzkopf. Vor allem mit Blick auf Kohlhaas entwirft Strigl laut Heimann eine Typologie des Trotzes und zeigt auf, wie Trotz einerseits als mutiges Aufbegehren, andererseits als verbiesterte gedankliche Blindheit begriffen werden kann. All das liest sich anregend, findet Heimann, der einiges gelernt hat über Potenzial und Gefahren des Trotzes.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2025
Rezensent Rainer Moritz freut sich über einen gelungenen und klugen Essay der Publizistin Daniela Strigl zum Thema Trotz: Anhand literarischer Beispiele wie Kleists Michael Kohlhaas, aber auch anhand von Literaten wie Peter Handke und seiner "fatalen Realitätsverweigerung" im Balkankrieg zeigt sie, wie unterschiedlich diese Haltung sich zeigen kann. Ob Trotz gerechtfertigt war und Fortschritt angeregt hat oder reine Querulanz ist, lässt sich meist erst im Nachhinein feststellen, lernen wir. Anregend, findet Moritz, insbesondere, wenn Strigl am Ende noch darauf eingeht, dass Literatur vielleicht selbst eine Form des Trotzes, des Aufbegehrens gegen die Maßstäbe der Realität ist und als solche unbedingt erhalten werden muss.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2025
Rezensent Joseph Hanimann klagt über mitunter zugeschüttete Differenzen in Daniela Strigls Buch über den Trotz. Das Thema findet er allerdings hochinteressant und aktuell und Strigls nach einer eher fremdbestimmten Begriffsdefiinition entfaltete Expertise in Sachen Trotz in der Literatur bemerkenswert. Was die Autorin zu trotzigen Helden wie Kohlhaas, Antigone, Johanna von Orleans oder Roseggers Jakob zu berichten hat, findet er famos und nur manchmal etwas zu sehr ins Nacherzählen abgleitend. Wutbürger und Tiroler Freiheitskämpfer in einen Topf zu schmeißen, hält Hanimann dann wieder für keine so gute Idee. Schließlich jedoch kriegt Strigl die Kurve, lobt er, wenn sie ihr lesenswertes Buch in ein Plädoyer des Nutzlosen münden lässt.