Daniel Schäfer führt den Leser in die faszinierende Welt der frühneuzeitlichen Altersheilkunde. Er zeichnet die historischen Sichtweisen auf das höhere Lebensalter und dessen spezifische Krankheiten nach und zeigt die Möglichkeiten und Grenzen damaliger Therapien. Deutlich wird dabei der Rückgriff der humanistisch gebildeten Ärzte auf antikes und mittelalterliches Wissen sowie auf Erkenntnisse aus Theologie, Jurisprudenz und Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2004
Recht spannend findet Rezensent Robert Jütte dieses Buch über Alter und Krankheit in der frühen Neuzeit, das er jedem empfehlen kann, der sich für die Geschichte medizinischer Konzepte interessiert. Über einhundertfünfzig medizinische Schriften mit geriatrischer Thematik aus der Zeit vom Ende des fünfzehnten bis zum frühen siebzehnten Jahrhundert habe Daniel Schäfer darin untersucht. Ausführlich beschäftige sich Schäfer etwa mit dem Phänomen des Sunamitismus, dem Glauben an die lebensverlängernde Wirkung der Ausdünstung von jungfräulichen Mädchen, die das Bett mit älteren Männern teilen, ohne mit ihnen sexuell zu verkehren. Dahinter stand die Vorstellung, der Alterungsprozess sei ein Verlust innerer Wärme. Auch Schlangen- und Vipernfleisch, sublimiertes Menschen- oder Schweineblut, Goldwasser, Essigsirup und Edelsteine galten als probate Mittel, um dem Alter ein Schnippchen zu schlagen. Jütte berichtet aber auch, dass sich schon früh in der medizinischen Literatur Stimmen fanden, die vor Wundermitteln gegen das Alter warnen.
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