Mode ist Ausdruck individueller Haltung - doch was, wenn man sich für ein politisches Amt bewirbt? Daniel Kalt schenkt uns eine Typologie der modischen Message Control. Angela Merkel überrascht im offenherzigen Abendkleid, Barack Obama bodysurft lässig in Shorts und Wladimir Putin lässt hoch zu Ross die Muskeln spielen. Zufall? Sicher nicht. Wie alles andere auch folgt der Dresscode in der Politik klaren Regeln. Was wir sehen, formt, was wir über unsere Volksvertreter:innen denken. Da schaffen Trachtenjanker wohlige Wärme und schlechtsitzende Anzüge ein "Er ist wie wir"-Gefühl. Daniel Kalt taucht ein in die Welt der politischen Mode-Codes, entschlüsselt Botschaften von Active Wear und Statement Dresses und erstellt einen augenzwinkernden Style-Guide der Macht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2023
Rezensent und Jurist Milos Vec scheint Daniel Kalts Buch über die Rolle der Mode in der Politik ganz nett zu finden. Mit Blick auf westliche Demokratien versammelt der österreichische Modejournalist darin markante Mode-Ereignisse der jüngeren Vergangenheit wie das Latex-Kostüm der CSU-Digitalministerin, das Dirndl der österreichischen Außenministerin neben Putins schlichtem blauen Anzug oder die Biker-Jacke der finnischen Ministerpräsidentin, und wie sie von der Öffentlichkeit rezipiert wurden. Dabei tritt für den Kritiker hervor, wie "flexibel" am Ende doch die Maßstäbe dafür sind, wer für ein bestimmtes Outfit verteufelt wird und wer nicht - so formuliere Kalt doch oft mit dem Verb "können", obwohl er die Verbindlichkeit der jeweiligen Auslegung behauptet, analysiert Vec. Vielleicht sei das kein "Mangel", sondern Indiz für den Freiraum demokratischer Gesellschaften, die die Kleidung konstant diskursiv verhandeln, überlegt der Kritiker. Trotzdem handelt es sich für ihn weniger um eine Analyse unter politischen Gesichtspunkten als um eine Ansammlung "lose verbundener Glossierungen", angenehm zu lesen, aber ohne Schärfe, so Vec.
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