Seit dem späten 19. Jahrhundert ist zu beobachten, wie in Europa und Nordamerika eine diffuse Angst um sich griff, die Angst vor einer namenlosen, in der Deckung operierenden Supermacht, die das staatliche Gewaltmonopol unterläuft: die verbundene juristische Person. Da ein institutioneller Wandel - anders als ein technologischer - sich der unmittelbaren Anschauung entzieht, müssen dessen Merkmale visualisiert, sinnlich erschlossen werden. Anhand der gebräuchlichsten Sinn stiftenden "Konzernbilder" lässt sich ein Psychogramm der (Hoch-) Moderne erstellen, das die Ängste, Ambitionen und Visionen der Epoche dokumentiert und den Blick öffnet für verdeckte Denkmuster und Leitbilder in der Gesetzgebung, Rechtsprechung und Wissenschaft des 20. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.01.2017
Peter Rawert greift hoch, wenn er den Nobelpreis für juristische Literatur für Daniel Damler fordert. Ausschlaggebend für solches Lob sind für ihn Damlers "virtuose" Sprache, das Füllhorn an Wissen, das der Autor vor dem Leser leert, historisch, kunsthistorisch, philosophisch, ökonomisch, politikwissenschaftlich und natürlich rechtlich und rechtsvergleichend, sowie die geschickte Auswahl zweier Fallstudien, um die bildliche Prägung moderner Perspektiven auf Konzerne zu veranschaulichen - zu Rockefellers Oil Company und zur Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur New Yorks um 1900. Zu erfahren, wie eine mediale Berichterstattug durch die Visualisierung der Konzerne (als Kraken etwa) das Phänomen noch vor den Juristen und der Gesetzgebung erfassten, findet Rawert spannend. Damlers Panorama moderner Konzernmetaphorik scheint Rawert mitunter glänzend, so wenn der Autor den Einfluss des Bauhauses auf juristische Positionen aufdeckt.
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